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Privater Bericht von Karla Schefter
Kabul, im Oktober 2015

Ich freue mich, ich bin wieder in Kabul. Für wenige Wochen nur, die Lage lässt nicht mehr zu, mein Einsatz wird entsprechend konzentriert.

Sicherheit? Ja, natürlich ist es gefährlich, ich bin vorsichtig, ich exponiere mich nicht, aber wenn ich meinen Auftrag erfüllen will, dann sind damit Risiken verbunden. Das wird mich nicht davon abhalten, einen Projektbesuch in Chak zu machen. Ich muss alles selbst in Augenschein nehmen, die Probleme selbst sehen, die Mitarbeiter müssen mich sehen, sie müssen Vertrauen haben, aber auch wissen, dass es Aufsicht und Kontrolle gibt. Das wünschen auch unsere Spender.

Nach meinem Besuch in Chak kann ich feststellen, dass augenscheinlich und im Großen und Ganzen in alles Ordnung ist. Das Hospital funktioniert weiter tadellos, eine unglaublich große Zahl von Patienten, über 7000 ambulante und über 800 stationäre Patienten werden jeden Monat behandelt (unverändert sind dies zu rund 75% Frauen und Kinder). Man möchte sich nicht vorstellen, wie das große Patienten-Einzugsgebiet der Provinz Wardak ohne diese medizinische Versorgung dastände. Unser Hospital bietet eine Basisversorgung, bei der das Wichtige vorhanden ist und die Ärzte und das Pflegepersonal das Mögliche tun. Man würde gerne mehr tun, hier und da mehr anschaffen, vergrößern, mehr Personal einstellen – wenn wir die Mittel dafür hätten, das auch dauerhaft betreiben zu können. Aber sich finanziell zu überheben würde bedeuten, auch das jetzt gut Funktionierende zu gefährden.
Die Reise nach Kabul mit Zwischenaufenthalt in Dubai war planmäßig. Das Flugzeug war völlig ausgebucht, weil in die letzten Septembertage das Opferfest „Id“ fiel. Es ist das höchste islamische Fest, man feiert es wenigstens drei Tage möglichst im Kreis der Großfamilie. Von Dubai nach Kabul waren es deshalb fast nur Afghanen, die einstiegen, um zu ihren Familien zu reisen.
In Kabul dann wieder die gewohnt fröhliche Begrüßung. Es gibt einem eine Art Heimatgefühl. Die Mitarbeiter bringen die beliebten Begrüßungsgeschenke, wie Eier, Honig, Äpfel und Abdul Latif sogar Köfte (Frikadellen), Hühnerschenkel und Pommes frites von zu Hause. Das gemeinsame Essen war ein wunderschönes Gemeinschaftsgefühl.

Ich habe den Eindruck, dass unsere beiden aus Peschawar umgezogenen Kabul-Mitarbeiter gut mit dem Chak-Personal zusammenarbeiten. Das Können der beiden „Neuen“ in Kabul hat überzeugt, man ergänzt und respektiert sich.
Ich bitte darum, für meine Fahrt nach Chak diesmal das Militär nicht zu benachrichtigen: Es besteht sonst die Große Gefahr, dass die Soldaten durch die Taliban beschossen werden, wenn sie die Eskorte für uns übernehmen. Man benachrichtigt direkt am Reisetag den Distriktgouverneur und die Polizei.
Die Fahrt verläuft reibungslos. Ich fühle mich bei meinen Begleitern gut aufgehoben, habe Vertrauen zu ihnen. Sie wissen „was Sache ist“, kennen die Verhältnisse.

Überrascht bin ich, dass die Straße nach Chak ab der Abzweigung von der Hauptstraße Kabul-Ghazni bis hin zur Hospitalzufahrt asphaltiert ist. Es geschehen doch noch Wunder. Mit der Asphaltierung war schon 2002 begonnen worden. Das erste Geld war in den Taschen eines Kommandanten verschwunden. Später wurden die Arbeiten durch Angriffe der Taliban gestoppt, ein Bauingenieur von ihnen entführt. Jetzt im Mai war die Nachricht gekommen, die Asphaltierung sollte wieder aufgenommen und zu Ende gebracht werden. Ich nehme an, die Baufirma hat den Taliban Schutzgeld gezahlt. Über die neue Straße können wir das Hospital nun zügig erreichen.

Für uns bedeutet der Straßenbau aber auch, dass wirdas gesamte Rohrsystem austauschen müssen, das von unserem 50 Meter tiefen Trinkwasserbrunnen und dem dazu gehörigen acht Meter hohen Wasserdepot unter der Straße hindurch zum Hospital führt. Der Brunnen und die Rohre haben eine lange Geschichte. Der Brunnen wurde in der Regierungszeit der Taliban gebohrt. Seinerzeit gab es im Lande angeblich nur drei große Maschinen, die die harten Felsen durchbohren konnten: Eine in der Provinz Paktia, eine zweite gehörte dem Verteidigungsministerium (und ging dort im Einsatz kaputt), die dritte war für uns ohnehin nicht erreichbar. Unter diesen Restriktionen die Brunnenbohrung überhaupt bekommen zu haben, ist sicher mehr als nur ein Glücksfall. Die damals verlegten Rohre erfüllen die heutigen Anforderungen mit den dramatische gestiegenen Patientenzahlen allerdings nicht mehr und sollen durch qualitativ bessere mit größerem Durchmesser ersetzt werden.
Ich muss noch berichten, wie sehr ich die Bauleute bewundere, denen es gelungen ist, an einem Nadelöhr die Straße zu erweitern. Dieser Punkt war immer kritisch zu befahren, auf der einen Seite stehen die Häuser unmittelbar an der engen Straße und auf der anderen führt ein steiler Abhang direkt zum Fluss. Man musste bislang für die Passage eine kleine „Behelfsbrücke“ aus ein paar Baumstämmen passieren – keine leichte Aufgabe, besonders für Lastwagen. Mit der nun realisierten Lösung ist der kritische Engpass beseitigt. Afghanen waren schon immer erfinderisch im Lösen derartiger Probleme. Sie sind geschickte Handwerker, die mit einfachsten Mitteln zurecht kommen.
Beim Empfang im Hospital strahlen alle Gesichter. Ich freue mich unbändig. Blumen leuchten mir in der Herbstsonne entgegen. Ja, mein Platz ist bei diesen Menschen. Ein anderes Zuhause in diesem Andersland. Leider für einen längeren Aufenthalt nach wie vor zu gefährlich, da dies in einer Entführung mit Lösegelderpressung enden kann.

Nach der ersten Begrüßung berichtet der diensthabende Arzt über seine Nachtschicht. Dann kommen die Lehrerin und die Kinder unserer betriebsinternen Schule. Das ist ein Höhepunkt. Jedes Mädchen gleicht einer wunderschönen Blume, auch die drei Buben sind ausgesprochen schmuck. Das Herz geht auf, sie zu erleben. Stolz rechnet eine Elfjährige an der Tafel, eine andere liest flüssig vor. Zusammen singen sie die afghanische Nationalhymne.
Ich habe ihnen ein paar kleine Geschenke aus Deutschland mitgebracht und werde von den Schülern durch selbstgemalte Bilder belohnt. Es fällt mir schwer, mich von ihnen wieder zu lösen, um die Mitarbeiterinnen zu begrüßen – die erwachsenen Blumen. Ich empfinde es immer wieder als etwas Besonderes, dass wir in der Provinz 16 Frauen einstellen und beschäftigen können.

Jetzt trifft der Chak-Kommandant ein, um mich zu begrüßen, dann kommt auch der Polizeichef. Am nächsten Tag ein Schock: Der Chak-Kommandant, der mich begrüßte, wurde erschossen. Es wird mir berichtet, er sei Kameraden in einem anderen Distrikt, wo gekämpft wurde, zur Hilfe geeilt. Dies zur allgemeinen Sicherheitslage.

Ein Internist hatte vor einem Monat gekündigt. Glücklicherweise haben wir Ersatz gefunden, einen Arzt, der fünf Jahre Berufserfahrung in einem Hospital der Koreaner in der Nähe des US-Hauptstützpunktes Bagram gesammelt hat. Sein Krankenhaus wurde nach Beendigung des Fünfjahresvertrages geschlossen. Er macht einen ordentlichen Eindruck und soll am 1. Oktober anfangen.

Nach diesen diversen Begrüßungen besuche ich die verschiedenen Abteilungen. Ganz besonders gucke ich in die Ecken, das ist mein Monitoring. Die Mitarbeiter wollen mir zeigen, wie sie alles in Ordnung halten, wie gut das Depot aufgeräumt ist, wie fleißig sie arbeiten.

Im Impfzentrum weisen mich die Mitarbeiter darauf hin, wie nützlich die mit Solarenergie betriebene Kühltruhe ist.

Die nächste Station meines Rundgangs ist der Besuch der Kranken. Die Bedeutung des Hospitals wird einem hierbei durch die Patienten zu Herzen gehend vor Augen geführt. Mir fällt auf, wie viele kleine Kinder an Durchfall leiden und fiebrig und apathisch neben ihren sich sorgenden Müttern liegen.
Niemand kann die ganze Welt retten. Aber wir tun für das Hospital und mit ihm, was in unseren Möglichkeiten liegt. Wir leisten einen wesentlichen Beitrag zur medizinischen Versorgung. Chak ist ein gutes Projekt, und ich hoffe für die Menschen, dass es auf Dauer erhalten bleibt. Afghanistan, das Land am Hindukusch, hat jetzt 32 Millionen Einwohner, unsere Provinz Wardak eine halbe Million (wenn denn die Statistik stimmt…).

Im afghanischen Radio und Fernsehen (und auch selbst vom Botschafter) wird viel Propaganda dafür gemacht, dass die Menschen in ihrem Land bleiben sollen, und abschreckend wird aufgezeigt, was Flüchtlinge erwartet.
Nach dem ausführlichen Rundgang begrüßen mich unsere Männer im Speisesaal, wieder gibt es Blumen in herbstlichen Farben für mich.

Ich berichte von den vielen Spendern in Deutschland. Ich hebe das Gymnasium Oberhaching hervor, unseren „dienstältesten“ Spender. In der Schule bereiten sie den 25. Afghanistan-Tag vor, ein Jubiläum, an dem die ganze Schule zum Basar wird. Alle sind beteiligt, Lehrer, Schüler, Eltern, Freunde. Es soll wieder ein kleiner Marathon-Lauf durch die Stadt Oberhaching stattfinden, 6.600 Meter lang, die für die 6.358 km nach Afghanistan stehen. Die vordersten Läufer werden dabei die afghanische Flagge tragen. Am Abend gibt es den traditionellen Bunten Abend mit Musik, Tanz, Sketchen und auch mit externen Künstlern, alles mit Liebe, Freude, Kreativität vorbereitet: Ein großzügiges Geschenk für das Chak-e-Wardak-Hospital und seine Patienten durch die dabei erzielten Spenden.

Ich berichte unseren Mitarbeitern auch über die Probleme, die die Flüchtlingswelle nach Deutschland mit sich bringt. Sie hören aufmerksam zu. Ich sage ihnen, wie hoch die Spendenbereitschaft ist, wie sehr sich alle bemühen, durch ihre Zuwendungen die Existenz des Hospitals zu sichern, für die, die in ihrem Land verbleiben.

Durch meinen Kopf blitzte das Wort „armselig”. – Was steckt darin ? – Sind die Armen selig in ihrer Armut? – Ist Armut die Chance, im Leben nach dem Tod selig zu sein?

Letzter Programmpunkt ist unser gemeinsames Festessen, natürlich mit viel Fleisch, und zum Abschluss Tee mit Schokolade aus Deutschland. Mein Eindruck: Alle sind glücklich und zufrieden, der Tag ist rundum gelungen.

Auf dem Rückweg begegnet uns der Distriktgouverneur. Er ist in Zivil mit den Straßenbau-Ingenieuren unterwegs und überschlägt sich fast vor Dankbarkeit und Lob. Zwei Tage später erhalten wir die Nachricht, dass er schwer verunglückt ist und im Krankenhaus liegt.

Zitat aus dem Roman „Das neue Leben“ von Orhan Pamuk, ihm wurde 2006 der Nobelpreis für Literatur verliehen. (Ich bekam das Buch als Geschenk und möchte es gern weiter empfehlen.):
„Da sah ich mit Schrecken, dass sich die Welt um mich herum von A bis Z verwandelt hatte und verspürte eine bis dahin ungeahnte Einsamkeit. Ganz so, als sei ich allein geblieben in einem Land, dessen Sprache, Gewohnheiten und geographische Lage mir fremd waren.Die Ratlosigkeit, die aus dem Gefühl des Alleinseins...“

Diese Zeilen treffen mein Innerstes, ich vergleiche mein Leben in Afghanistan mit dem Leben in Deutschland und mit dem, was in der Welt vor sich geht.
In Kabul erledigen wir die Einkäufe für die nächsten sechs Monate. Wir besorgen, was man so alles auf Vorrat braucht, wie Putzmittel, Büromaterial, alles für den sanitären Bereich, für die Autos und den Generator zur Elektrizitätsversorgung. Das Einkaufen ist nerven- und zeitraubend, der Lärm, die Dichte des Verkehrs, das wuselige Gedränge überall.

Ein großer Posten sind wie immer die Medikamente und medizinischen Materialien. Seit der Talibanzeit lassen wir diese über eine Großhandelsapotheke in Kabul besorgen. Von deren Apotheker Nader war vor einem halben Jahr der Sohn entführt worden.

Holz wird in Gardez eingekauft, die nicht verderblichen Lebensmittel und Dieselöl in Ghazni. Eine erfreuliche Unterbrechung unserer geschäftigen Tätigkeit und mit viel Wiedersehensfreude verbunden ist das Treffen mit den „Schwestern” und den „Brüdern”. Gemeinsam mit Familie Schwittek haben wir einen Schlemmerabend mit den besten Kartoffelpuffern der Welt – eine wohlige Grundlage, um Gedanken miteinander auszutauschen.

Es besucht mich Ing. Mahmood, der während der ersten, schwierigsten Jahre unser Administrator in Chak war. Mit ihm hatte ich die meisten Reisen zwischen Afghanistan und Pakistan gemacht, meistens illegal, sozusagen Kriegsfahrten. In diesen Jahren reisten wir grundsätzlich in Begleitung eines Bewaffneten. Im Kreis seiner Familie schrieb ich auch mein erstes Buch. Ing. Mahmood arbeitete beim Flüchtlingshilfswerk UNHCR, einer der Söhne bei der Regierung. Seit sechs Jahren kann er nicht mehr in sein Heimatdorf, weil er damit rechnen muss, gekidnappt oder gar getötet zu werden. Er erhielt Drohungen und hat aus diesen Gründen seine Familie in die Türkei umgesiedelt.

Unsere Großeinkäufe tätigen wir seit langem in Ghazni. Das Zentrum, der Ghazni-Basar, ist übersichtlich und die Preise sind nicht so verdorben wie in Kabul. Ich kenne die Stadt seit 1992 recht gut. Es ist ein sehr alter, historisch wichtiger Ort. Vor den Kriegen fanden dort Ausgrabungen statt, es fanden sich Denkmäler aus dem 5. Jahrhundert, der buddhistischen Zeit, wie Füße von Buddha im Nirwana. Für mich war Ghazni immer ein besonders erfreulicher Ausflug, weil wir dahin nicht über die Hauptstraße, sondern fünf Stunden über die Dörfer durch eine wunderbare Landschaft fuhren.

Ghazni ist auch berühmt für seine Weintrauben und roten Rosinen. Nur von dort kann ich eine spezielle Rosinengewürzmischung nach Deutschland bringen. Es gibt dort auch viele Herden von Fettschwanz-Schafen. Das berühmte Lokalgericht ist “Karaie”. Es besteht aus Schafshackfleisch mit gegrillten Schafsfleischbrocken (Kabab) und ist mit gekochtem, ziemlich fettem Schafsfleisch gemischt – das Ganze in gut gewürzter Soße. Darüber kommt ein Spiegelei. Traditionell wurden wir von dem Dieselölhändler mit “Karaie” bewirtet. Dieser Geschäftsmann, Hajji Abdul Satar, ist ein besonders sympathischer Mann, dessen Sohn leider vor einem Jahr entführt wurde und der mit seinen Brüdern das Dieselgeschäft betreibt.

Zum „Id“ rufe ich Hajji Abdul Satar an und gratuliere. Die Freude, voneinander zu hören, ist auf beiden Seiten groß. Er will mich besuchen und fragt nach afghanischer Sitte, ob ich mir etwas aus Ghazni wünsche. Ich zögere, aber wegen der guten Erinnerungen bitte ich am Ende doch um “Karaie” und Rosinen. Leider konnte er an dem vereinbarten Tag nicht kommen, da der Sohn seines Bruders durch einen Gasunfall tödlich verunglückte. Gasunfälle passieren häufig, denn es wird oft auf Gas aus Gasflaschen gekocht. Der Umgang damit ist gefährlich, wir haben häufig Patienten, die durch Gasexplosionen schwerste Verbrennungen erlitten. Hajji Abdul Satar schickte trotzdem mit einem Fahrer einen Topf mit Karaie und auch Rosinen nach Kabul der Genuss war allerdings durch den Trauerfall getrübt. So geht das Leben auf der einen Seite einher mit dem Tod auf der anderen.

Ursprünglich wurde das Gehalt der Mitarbeiter des Impfzentrums auf dem Hospitalgelände zur Hälfe von Swedish Committee bezahlt. Vor zwei Jahren teilte man uns mit, dass man sich dies nicht mehr leisten könne. Um das wichtige Impfzentrum nicht schließen zu müssen blieb uns nichts anderes übrig, als die Gehälter komplett zu übernehmen. Und nun kam auch noch die Mitteilung, dass das Gehalt unseres Physiotherapeuten das bisher  aus dem Programm CDAP (Comprehensiv Disabled People) in Ghazni übernommen wurde, zukünftig nicht mehr bezahlt wird, der Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Also müssen wir auch noch dessen Gehalt übernehmen, damit diese Abteilung weitergeführt werden kann.

Es ist erstaunlich, mit welcher Geduld die Afghanen jeden Tag neue Hoffnung leben, es ist ihre große Stärke –meine leider nicht. In nun schon seit 40 Jahren ununterbrochenem Krieg haben sie lernen müssen, sich mit der jeweiligen Situation zu arrangieren. Nach ihrer Lebensweisheit gilt: “Über jeden Berg gibt es einen Weg.” Auch für mich gilt das nun schon seit 25 Jahren.

 

Kabul, April 2015

Karla Schefters privater Bericht


Meinem neuen Frühjahrs-Arbeitsaufenthalt in Kabul hatte ich zuerst mit Bangen, dann aber auch mit Zuversicht entgegengesehen. Ende des Jahres hatten die allermeisten NATO-Truppen einschließlich der Deutschen das Land verlassen. Welche anderen NGOs würden noch in Kabul verblieben sein?
Die Route über Peschawar nach Kabul war mir versperrt. Deshalb führte mich der Weg von Düsseldorf mit einer Zwischenlandung in Dubai direkt nach Kabul. Der Abflug von Düsseldorf, planmäßig für 21:25 Uhr vorgesehen, wurde zu einem kleinen Drama, denn die einfliegende Maschine war wegen eines heftigen Sturms über Deutschland arg verspätet gelandet.
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Kabul, April 2014

Privater Bericht von Karla Schefter

Es geht wieder einmal nichts? Es fehlt an allen Ecken und Enden? Nein, wir lassen uns nicht einschüchtern, wir lassen uns nicht unterkriegen, wir halten durch, wir kriegen das hin. Wir wissen ja, dass Afghanistan ein schwieriges Land ist. Da sind wir geübt, Hürden zu übersteigen oder sie links liegen zu lassen und weiter zu machen, nach vorne zu schauen. Wir halten an unserem Wardak-Krankenhaus fest. Ein starkes Komitee im Rücken, mit vielen Helfern, vielen Spendern, das schaffen wir.

So habe ich mir auf dieser Frühjahrsreise nach Kabul Mut gemacht. In Kabul finde ich eine angstvolle Spannung vor. Am 5. April soll die Wahl des Staatspräsidenten stattfinden. Karzai bewirbt sich nicht wieder, acht Bewerber kämpfen um seine Nachfolge. Die Taliban sind gegen die Wahlen, bedrohen jeden mit dem Tode, der wählen gehen will. Viele trotzen den Taliban und gehen zur Wahl, auch tapfere Frauen. Wie viele es wirklich sind, was an den von den Interessengruppen verbreiteten Meldungen stimmt, auch wie die Verhältnisse auf dem weiten Land im Gegensatz zur Hauptstadt Kabul sind, das werden wir erst später erfahren. Am 28. Mai soll noch eine Stichwahl stattfinden, falls am ersten Wahltag keiner der Kandidaten 50 % der Stimmen erhält. Wird der Ausgang der Wahl auch unser Projekt beeinflussen? Kaum.

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01. 11. 2013

Karla Schefter in eigener Sache

Aufmerksam machen möchte ich in eigener Sache auf mein neues Buch „Frauen – Menschen“. Es ist ein Lyrikband mit meinen Erlebnissen aus rund 30 Jahren Afghanistan. Bei jedem, der es schon besitzt, ruft es Begeisterung hervor. Meine Freundin schrieb dazu: „Dies Buch ist ein Erlebnis“. Bald ist Weihnachten, wäre dies nicht ein schönes Geschenk für einen lieben Menschen – oder an sich selbst? Das Buch wird auf meine Kosten verlegt, hat also nichts mittel- oder unmittelbar mit unserem Hospital-Projekt zu tun. Sie können das Buch telefonisch (0231-423798), per Fax (0231-4251538) oder per E-Mail (chic@pes.comsats.net.pk) bestellen (Preis 30,00 €, Versand 1,65 €). Ich bin seit November wieder in Deutschland und schicke es Ihnen umgehend zu. Freuen würde ich mich sehr, auch einmal Rückmeldung zu meinem Bericht und/oder zu meinen Büchern zu erhalten.

25.06.2013

Privater Bericht von Karla Schefter

Kabul, Anfang April 2013. Das Wichtigste zuerst: unser Hospital in Chak läuft normal, und das bedeutet gut! Das ist eigentlich eine sensationelle Nachricht, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass sich das Land inmitten eines furchtbaren Bürgerkriegs befindet, und die Provinz Chak besonders stark betroffen ist. Das Hospital läuft gut dank der afghanischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dank dem nicht verzagenden Kuratorium und Vorstand, dank der weiterhin großzügigen Spender und Freunde Chaks.

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12. 12. 2012

Hospitalprojekt erhält Siegel für nachhaltige Projekte


Im Namen des Oberbürgermeisters der Stadt Dortmund hat das Stadtamt für Angelegenheiten des Oberbürgermeisters und des Rates unserem Hospitalprojekt das Siegel für nachhaltige Projekte 2012 der Stadt Dortmund verliehen. Sehen können Sie diese Auszeichnung von nun an am linken Rand unserer Homepage. Wir vom Komitee sind dankbar für diese Auszeichnung: Sie gibt unseren Spendern ein gutes, beruhigendes Gefühl und bestätigt ein weiteres Mal, dass die Spendengelder für ein nachhaltiges Projekt der humanitären und – vor allem – medizinischen Hilfe eingesetzt werden und den Menschen in Afghanistan zugute kommen.

02. 11.  2012 (aktualisiert)

Basira ist der 1-Millionste Patient

Am 26. August war es soweit: Die 12-jährige Basira aus dem rund vier Kilometer vom Hospital entfernten Baba Kala Village ist der Ein-Millionste (1.000.000) Patient, seit wir im Jahr 1994 unsere statistische Erfassung der Patientenzahlen gestartet haben. Sie wurde mit einem ernsten Nierenleiden eingeliefert. Nach erfolgreicher Behandlung können Basira und ihre Familie jetzt wieder lachen. Damit schreibt das Chak-e-Wardak Hospital in den 22 Jahren seines Bestehens eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Mehr dazu in unserem Herbst-Informationsbrief.