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Privater Bericht von Karla Schefter
Kabul, September 2018


Wie immer voller Freude und mit reichlich Gepäck beladen mache ich mich erneut auf den Weg ins Ungewisse, nach Afghanistan, ins Andersland. Es gilt wie immer, Schritt für Schritt voran zu gehen. Ich will nicht wissen, wie es nicht geht, sondern mich stark machen: Wie kriege ich es hin. Schlechte Nachrichten sollen mich nicht vom Weg abbringen.

Ich weiß, dass in der Stadt Ghazni schwere Kämpfe mit den Taliban stattgefunden haben, mit 400 Toten. Wir tätigen seit 1992 unsere Großeinkäufe für das Hospital dort! Auch in Kabul soll es immer wieder hoch her gehen, in Chak soll es vermehrt Schusswechsel mit vielen Verletzten geben. Nur nicht bange machen lassen!

Jetzt bin ich in Afghanistan gut angekommen. Mit Segenswünschen war ich in Deutschland verabschiedet worden, wie in einen guten Urlaub. Hier, bei meinen vertrauten, ergebenen Mitarbeitern fühle ich mich wieder gut aufgehoben. Wohltuend ist auch die Routine von, über Jahre entwickelten, Traditionen wie Köfte essen u.v.a.m. Vorfreude auf strahlende Gesichter. Geschenktüten werden zusammengestellt. Jedes uns gespendete Teil strahlt Liebe aus, Nächstenliebe. Erste Neuigkeiten werden ausgetauscht. Beruhigend: In Ghazni ist keiner unserer Bekannten zu Schaden gekommen, wir werden dort weiter unsere Einkäufe machen können. Bewundernswert, wie die Afghanen, trotz vierzigjährigem zerstörerischem Krieg, nicht aufgeben, sich immer wieder aufrichten.

Wir beginnen alsbald mit unsere Planung. Neben den Routinearbeiten geht es um zwei Schwerpunkte: Eine etwas vorgezogene Feier zum 30-jährigen Jubiläum unseres Hospitalprojektes – und die Entgegennahme der mir vom Afghanischen Staatspräsidenten verliehenen Auszeichnung „Mir Masjidi Khan Medal.“

Die Fahrt von Kabul nach Chak bereiten wir sorgfältig vor. Die Jubiläumsfeier soll, allen Gefahren zum Trotz, unbedingt in Chak stattfinden, wo auch sonst? Und ich möchte dabei sein. Auch für die Sommerhitze müssen wir planen, unser unscheinbares altes Auto hat keine Klimaanlage. Ich packe meinen schwarzen Überwurf und den schwarzen Festtagsschleier leicht zugänglich ein, um mich in Chak dem Anlass entsprechend zu kleiden. Wir starten um sechs Uhr früh, kommen in der Morgenkühle gut voran und sind überraschend schon zwei Stunden später wohlbehalten in Chak. So wie wir in die Nähe des Hospitals kommen, lege ich schon meinen Schleier um - niemand soll auf uns aufmerksam werden. Und die sonst übliche Begrüßung im Büro muss entfallen. Der für das Fest vorgesehene Platz hinter dem Frauenhospital ist bereits vom übrigen Gelände abgesperrt, so dass neu ankommende Patienten mit ihren Angehörigen nicht mitbekommen, dass etwas Besonderes vor sich geht. Es könnte, an wen auch immer, weitergeben werden und zu größerer Gefährdung führen. Aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren nicht eingeweiht, bis auf einige wenige, die in den ersten Morgenstunden den Festplatz einzurichten hatten: Sehr früh am Morgen, um der späteren Gluthitze zu entgehen: Chak liegt zwar 2.400 m hoch, aber bei klarer Luft brennt die Sonne intensiv.

Eine große Zeltplane spendet Schatten. Der Boden ist mit bunten Plastikteppichen bedeckt, das Podium mit afghanischen und deutschen Flaggen geschmückt, dazwischen Prachtexemplare von Chak-Rosen. Mikrofon und Lautsprecher warten auf unsere Reden, die Jubiläumsfeier kann starten.
Zu Beginn wie üblich eine Lesung aus dem Koran. Ein „Qari“ rezitiert – Qari ist die Bezeichnung für einen frommen Muslim, der den Koran auswendig gelernt hat. Ich bin überrascht, dass der Qari mir die Hand gegeben hat – einer fremden Frau gibt man hier nicht die Hand. Aber wie ich höre, ist er schon seit sechs Jahren bei unserem Sicherheitspersonal beschäftigt. Das mag dazu beitragen, dass das Hospital mental gut in seine Umgebung eingebettet sowie angesehen ist – und in Frieden gelassen wird.

Man muss sich erinnern, dass die „Taliban“ ja nicht alle wilde Totschläger und Terroristen sind. Das Wort bedeutet zunächst nur „Studenten des Islam“. Im Westen werden sie einseitig als Terroristen wahrgenommen, sie selbst sehen sich in erster Linie als Kämpfer gegen Fremdherrschaft. Allerdings gesellten sich dazu im Laufe der Jahre auch viele Kriminelle, die mit ursprünglichen Taliban nichts zu tun haben. Es ist nicht alles nur schwarz oder weiß.

Nach der Lesung der Koransure stellen sich die Kinder unserer Krankenhausschule auf und singen die Nationalhymne. Ich kann mich an den Kleinen nicht satt sehen. Welch hübsche, ausdrucksstarke Gesichter, schön in ihrer Natürlichkeit wie farbenfrohe wilde Blumen. Danach trägt unser ärztlicher Leiter, Dr. Ehsahn, meine zuvor in das hier gesprochene Paschtu übertragene Ansprache vor. Wir hatten uns so entschieden, um sich in die Länge ziehende Übersetzungen zu vermeiden. Dann das Allerwichtigste, die Verteilung der Jubiläums-Umschläge. Die Mitarbeiter hatten Belobigungszertifikate erwartet und Bescheinigungen über die Jahre ihrer Mitarbeit. Wie groß ist die Überraschung, als sie im großen Umschlag noch einen weiteren, kleinen mit einem ansehnlichen Bonus vorfinden. Damit hatten sie nicht gerechnet. Viele stecken den Umschlag erst einmal beiseite. Um mit umso größerer Freude dann später den reichen Inhalt zu entdecken! Im Vorstand hatten wir entschieden, alle Mitarbeiter gleich zu bedenken. Jeder ist auf seinem Platz wichtig. Und wir sparen dann wieder, wenn wir in Deutschland auf eine 30 Jahr-Feier verzichten.

Dann kommt noch eine kleine Überraschung – die Geschenk-Tüten. Es tut mir unendlich gut, die glücklichen Gesichter zu sehen. Die Gefühle des Glücks sollen an diesem Tage, als Dank, auch das Komitee, unsere Unterstützer, die vielen Spender, Helfer und Freunde erreichen. Dann bringen mir die Mitarbeiterinnen Geschenke. Ich bekomme wieder Eier und Mandeln in kunstvollen Verpackungen, mit farbenfrohen Perlenstickereien verziert, wunderschön anzuschauen. Schließlich wird noch der Attan getanzt. Ich habe mich erkundigt: Der Attan wird heute als Symbol der nationalen Einheit betrachtet und ähnlich wahrgenommen wie Nationalhymne oder Flagge. Und zum Abschluss gibt es ein Gebet, das die Bitte einschließt, dass das Hospital weiter zum Wohle der Menschen erhalten bleibe. Vorbeter ist wieder Qari Baz Mohammad.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lösen sich aus der Festversammlung und gehen wieder an ihre Arbeit. Meine Begleiter und ich rüsten uns zur Rückreise nach Kabul. Wir werden noch mit frisch gebackenem, noch heißem Fladenbrot und Tee für die Reise bewirtet. An dem für später vorgesehenen Fest können wir leider nicht mehr teilnehmen.

Es gelingt, ohne Aufsehen abzureisen. So vermeiden wir, dem neuen Gouverneur zu begegnen und damit die Aufmerksamkeit der Taliban zu erwecken. Auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Kinder wartet noch ein Festtagschmaus. Die Chak-Rosen vom Podium kommen mit nach Kabul.
Die Rückfahrt ist ermüdend: Hitze und Staub und viel Verkehr. Aber wir kommen durch. Eine schwierige Stelle gibt es an der Hauptpost vor Kabul: Ein langer Stau, verursacht durch eine Kontrollstation, an der auch auf Sprengmittel untersucht wird. Schließlich können wir eintauchen in die dreckig gelbe Dunstglocke von Kabul, voller Staub und Abgase. Unserer Hochstimmung kann das nichts anhaben. Abdul Latif meint, mit meinem Besuch in Chak hätte ich den Menschen dort Zuversicht und neue Kraft gegeben. Nach kurzer Mittagspause gönnen wir uns ein gutes Essen aus dem Restaurant.

Schon von Deutschland aus hatte ich um ein Treffen mit dem I.C.R.C. gebeten, dem immer hilfreichen Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Der Termin muss leider verschoben werden. Grund ist, dass zwei Mitarbeiter des I.C.R.C. in Mazar Sharif getötet wurden. Daraufhin hat man erst einmal alle Aktivitäten in Afghanistan eingestellt. Es wird auch bekannt, dass das I.C.R.C. Warnungen von den Taliban bekommen hatte. Angeblich hätte sich I.C.R.C. Mitarbeiter in den Gefängnissen nicht an Weisungen gehalten. Traurig, aber wahr.

Ich schwärme immer vom köstlichen frischen Obst in Afghanistan. Und jetzt, im ausgehenden Sommer, esse ich mich wieder genüsslich durch Weintrauben, Melonen, Mangos, Ananas, Bananen und ich weiß nicht was. Nur auf meine geliebten Äpfel aus Chak musste ich vorerst verzichten – sie sind noch nicht reif. Nach zwei Wochen intensiven Sonnenscheins kam ich dann doch noch in den Genuss. Es hätte etwas Entscheidendes ohne diese Äpfel gefehlt. Auch hier hat es zu wenig geregnet, alle klagten über niedrigen Wasserstand. Aber es gibt schon frische Mandeln und Walnüsse.

In Deutschland, noch kurz vor Abflug, erreichte mich die Nachricht, dass Staatspräsident Ashraf Ghani mich mit dem Mir Masjidi Khan Orden auszeichnen will. Der Orden, der an diesen erinnert, ist die zweithöchste Auszeichnung, die Afghanistan vergibt. Ich bin sehr glücklich, dass damit unsere humanitäre Hilfe, die von so vielen großherzigen Spendern ermöglicht und durch unermüdliche Arbeit unseres Komitee gesteuert wird, auf diese Weise öffentliche Anerkennung findet. Ich habe mich kundig gemacht, wer denn Mir Masjidi Khan war, nach dem der Orden benannt ist. Er war ein Stammesführer der Paschtunen in Kohistan, einem Distrikt im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet unweit von Peschawar. Er kämpfte gegen die britische Kolonialmacht, verlor in diesen Kämpfen und wurde 1841 von seinen Feinden vergiftet. 19. Jahrhundert, lange her, aber für Afghanistan noch politische Gegenwart. Heute ist er ein Nationalheld der Afghanen.

Vorgeschlagen hatte meine Ehrung Dr. Farooq Wardak, Minister in der afghanischen Regierung und, wie der Name sagt, aus der Provinz Wardak, unserem Projektgebiet stammend. Ich kenne den Minister seit Jahren, ein gebildeter Mann. Er war Flüchtling in Pakistan und arbeitete später in hoher Funktion bei den Vereinten Nationen. Als afghanischer Erziehungsminister besuchte er unser Krankenhaus und war uns bereits etliche Male hilfreich. Seit einigen Jahren ist er im Parlament, hat sein Land trotz Morddrohungen nicht verlassen. Sein Bruder wurde vor zwei Jahren erschossen.

Bereits bei der Ankunft in Kabul wurde mir gesagt, dass der Vater von Dr. Farooq Wardak gerade verstorben sei und wegen der zehntägigen Trauer- und Kondolenzzeit die Ordensverleihung verschoben werden müsse. Auf wann sei ungewiss. Wieder einmal mache ich die Erfahrung, wie viel in Afghanistan von einzelnen Personen abhängt.

Indessen erfahre ich, dass ein neuer deutscher Botschafter eingetroffen ist. Ich möchte ihn gerne kennen lernen, um ihm unser Projekt nahe zu bringen. Es gelingt, kurzfristig einen Termin zu vereinbaren. Mit unserem alten Auto fahre ich mit einem Begleiter in die Botschaft. Um dahin zu gelangen, müssen wir einen wahren Dschungel von Toren und Sicherheitssperren überwinden. Der Botschafter empfängt uns freundlich, ich habe Gelegenheit, ausführlich über unser Projekt, das Komitee und unsere Spender zu sprechen. Ich kannte noch die alte Botschaft mit ihrem wunderschönen Garten und alten Bäumen. Der traditionsreiche Bau wurde im vergangenen Sommer durch einen Sprengstoffanschlag weitgehend zerstört, heute bietet er einen traurigen Anblick. Erwähnen möchte ich noch, dass der Botschafter uns Besuchern einen wunderbaren Apfelkuchen anbot. Und wer hat ihn gebacken? Der Koch ist aus Chak, er war früher bei einer Bekannten angestellt, die in der Botschaft arbeitete. In friedlichen Zeiten wohnte meine Bekannte in einem schönen Häuschen mit Garten. Dort hatte sie mich manchmal zum Mittagessen eingeladen.

Würde es mit der Übergabe des Ordens in der mir verbleibenden Woche noch klappen? Ja, festgesetzt wurde jetzt der 9. September. Auf einmal überschlug sich alles. Eigentlich ist der 09.09. keine glückliche Wahl. An diesem Tag gedenkt Afghanistan des Todes von Ahmad Shah Masud, einem ehemaligen Führer der Mudschaheddin, der wegen seines Widerstands – zuerst gegen die Regierung Naschibullah und später gegen die Taliban – als Nationalheld gefeiert wird. An einem solchen Gedenktag muss man mit Straßenblockaden rechnen. Außerdem wird drei Tage später Muharram gefeiert, der erste Tag im muslimischen Jahr, der von den Schiiten des Landes mit den Aschura-Riten begangen wird, mit denen sie an den Tod von Imam Hussein erinnern, der in der Schlacht von Kerbela im Jahre 680 fiel.

Der Orden soll mir vom Präsidenten Ashraf Ghani im Palast übergeben werden. Wir müssen schnell unsere Vorbereitungen treffen und mit dem Protokoll des Präsidenten abstimmen. Wir sind alle ganz aufgeregt. Wir diskutieren, wer mich begleiten soll, dabei ist vieles zu bedenken. Das Protokoll muss unseren Vorschlägen zustimmen. Wir fügen der Teilnehmerliste noch die Namen von drei Ältesten aus Chak hinzu.

Ich lasse mich in den Fluss des Geschehens gleiten. Etwas Anderes bleibt mir angesichts all der Regularien und Sicherheitsbestimmungen auch nicht übrig. Ich bin oft dankbar, dass meine Mitarbeiter Afghanen sind. Ich hätte mit meiner Ungeduld keine Chance. Wie soll ich mich kleiden? Am Besten so, wie bei der Jubiläumsfeier in Chak, zusätzlich stecke ich mir noch meine Orden an, besonders deutlich sichtbar ist das Bundesverdienstkreuz am Bande. Meine Begleiter zupfen an mir herum, bis alles richtig sitzt. Leider kann der Deutsche Botschafter nicht teilnehmen, da er sein Beglaubigungsschreiben noch nicht überreicht hat, das soll erst drei Tage später geschehen. Von der Botschaft kommt aber Herr Peleikis mit. Und natürlich Abdul Waheed, Matiullah und Dr. Ehsan, also die Führungsspitze des Hospitals, auch Abdul Latif. In diesem Trupp machen wir uns auf den Weg zum Palast. Gerne hätte ich Freunde vom Komitee in Deutschland bei mir gehabt.

Wie befürchtet, gibt es Straßenblockaden, Masud-Anhänger halten eine Feiertags- Demonstration ab. Und dann hinter uns ein Attentat, ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad soll sich in die Luft gesprengt haben. Sieben Tote soll es gegeben habe. Dank an meine Schutzengel, wir sind unversehrt! An den Straßensperren gibt es Diskussionen, wir weisen unsere Einladung vom Präsidenten vor, sie öffnet alles, wir dürfen weiterfahren. Es sind noch viele Absperrungen zu überwinden, bis wir unser Ziel erreichen. Und dann sind wir da. Der Palast ist eingebettet in einen Park mit wunderbaren alten Bäumen, nach dem Straßenlärm eine wohltuende Stille, wie ein Hauch von Ewigkeit. Ich kann mich noch gut erinnern, zur Verleihung des Malalai-Ordens (höchster Orden für Frauen in Afghanistan) war ich schon einmal hier.
Wir sind auf die Minute pünktlich und werden sofort in einen schmucklosen Raum geführt. Es wird nichts serviert, kein Tee, kein Wasser, ganz un-afghanisch, es soll offensichtlich schnell gehen, der Präsident hat wenig Zeit. Ein Rauschen entsteht, alle erheben sich, Präsident Ashraf Ghani tritt ein, kommt an unserer Reihe vorbei, küsst mir die Hand im Vorbeigehen (ist das nicht auch un-afghanisch?) und nimmt am Kopf des Tisches Platz. Der Präsident hält eine kurze Rede und heftet mir den Orden an. Danach meine Dankesrede, Fotos, Glückwünsche, und schon ist die Zeremonie zu Ende. Dabei geht mir auf, dass ich die erste Frau bin, die diese Auszeichnung erhält. Die Rückfahrt verläuft reibungslos, und die Orden sind wieder in ihren Schatullen.


Zwischenzeitlich sind Dr. Schwittek und seine Frau aus Deutschland eingetroffen. Mit ihnen, den Brüdern und ihren Gästen erwartet uns am nächsten Abend unser traditionelles Kartoffelpufferessen, auf das ich mich schon gefreut hatte, das gibt es so nur in Kabul. Die Kartoffelpuffer sind knusprig, heiß und, ja, fettig, wie es sich gehört. Wir haben einen schönen Abend in langjährig vertrauter Runde. Erinnerungen und Erfahrungen werden ausgetauscht, nach Bekannten aus der alten Zeit gefragt. Nach wie vor vermissen wir “die Schwestern”. Von Annemarie Schwittek kommt die gute Nachricht, dass die Miete des Hauses bis März 2019 bezahlt ist. Wegen zu geringen Spendenaufkommens bestand nämlich die Befürchtung, dass Schwitteks ihr Schulprojekt einstellen müssten. Das hätte auch uns getroffen, denn wir haben uns seit Jahren bei dieser Familie als Untermieter eingerichtet.
Ein neues Problem ergibt sich durch eine Anordnung der afghanischen Zentralbank: Wir sollen unserer Bank eine zigfach beglaubigte Vollmachtsurkunde und auch weitere Informationen über unser Hospitalprojekt vorlegen. Es geht wohl darum, Geldwäsche zu unterbinden. Bringt man diese Bescheinigungen nicht bei, soll das Konto eingefroren werden. Die Brüder und Dr. Schwittek kämpfen mit den gleichen Problemen. Wieder einmal geht viel Zeit verloren, leider auch für unseren Vorsitzenden durch den mehr als umständlichen Schriftwechsel nach Afghanistan und in Deutschland. Wir müssen immer wieder bei der Bank vorsprechen, klären, diskutieren. Hinzu kommt das zeitraubende Kriechen im Autostau. Wir beschließen, mehr Geld abzuheben für den Fall, dass wir nicht schnell genug die erforderlichen Papiere von den offiziellen Stellen erhalten und man unser Guthaben einfriert. Auf gut deutsch bedeutet dies: Genug aus Deutschland überweisen, in Afghanistan alles abheben und sicher „bunkern“. So ist der Hospitalbetrieb zunächst bis ins Frühjahr 2019 sicher gestellt. Dann sollten wir die Papiere ja erhalten haben.
Schließen möchte ich meinen Bericht mit meiner Rede, die ich anläßllich der Verleihung des Ordens „Ghazi Mir Masjidi Chan Medal“ im Palast gehalten habe. Es ist der Dank an alle Diejenigen, die in ihren Möglichkeiten am Chak-e-Wardak-Hospital beteiligt waren und sind.
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Dear All,
“I in WE” – This is one Islamic wisdom.
One alone can do nothing, it always needs the “We”.
“We” in Afghanistan, includes all the staff members of the Hospital, the Chak population like elders, many friends and helpers like Dr. Farooq Wardak and Ing. Mahmood.
In Germany the Committee, the donors, the friends and helpers.
Without them we could not succeed to establish and run the Chak-e-Wardak Hospital.
In 30 years we treated more than 1.5 Million patients.
Thanks to all.
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Privater Bericht von Karla Schefter
Kabul, September, 2017


In Deutschland hatte ich eine besonders schwierige, ermüdende Zeit. Dazu trugen auch die Vorbereitungen für Afghanistan bei. Die täglichen Schreckensnachrichten aus aller Welt und aus Afghanistan besserten meine Stimmung natürlich nicht. So begab ich mich, wie seit längerem beschlossen, auf eine “Flucht in die Schönheit“. Am besten erhole ich mich und schöpfe Kraft aus Musik, Blumen und Kunst. Jeden Tag bewundere ich geniale oder besonders hilfreiche Menschen und mache mir klar, wie wichtig jeder auf seinem Platz ist – z.B. bei der Müllabfuhr – und so bin ich immer für etwas dankbar.

Mein Einsatz in Afghanistan fiel dieses Mal in eine wunderbare Saison: Obst, Gemüse, Nüsse kann man im Überfluss genießen. Leider macht sich auch dort der Klimawandel bemerkbar. So fiel die Apfelernte, nicht anders als in Deutschland, schlecht aus. Kein Regen seit längerer Zeit, ungewöhnlich heiß.

Am meisten gefürchtet hatte ich den Flughafen in Kabul. Abdul Latif berichtete, es fänden Bauarbeiten statt, unser Auto könne nicht hinein: Eine Sicherheitsschranke mit Kontrolle reiht sich an die nächste. In Gedanken beschäftigte ich mich ständig damit, wie ich das wohl schaffen würde, verdrängte es aber immer wieder, um meine generelle Einstellung Oberhand gewinnen zu lassen: Die Dinge, Schritt für Schritt, auf mich zukommen lassen.

Es geschehen noch Wunder! Nach der langen Anreise erreichte ich die Gepäckausgabe in Kabul und konnte es kaum fassen, als mich dort Abdul Latif begrüßte. Zufällig hatte er den Flughafenkommandanten kennen gelernt. Dieser Ausnahme-Afghane ohne Bakschisch, wie Abdul Latif mehrfach betonte, begleitete uns von der Gepäckausgabe bis zu unserem Auto. Auch das durfte dank dem Kommandanten direkt vor dem Flughafengebäude halten. Dieser Parkplatz ist sonst VIPs wie Ministern etc. vorbehalten. Mich durchflutete dankbare Freude. Auch verstand ich, wie der Kommandant diversen Leuten meine Verdienste aufzählte und wo ich überall gearbeitet hätte, z. B. in Khost.

Unerwartet erfreulich konnten wir so unsere Unterkunft in der Stadt erreichen. Leider ist alles sehr einsam geworden. Meine Freundinnen, die “ Schwestern”, hatten Kabul aus Alters- und Krankheitsgründen schon im Frühjahr verlassen. Fam. Schwittek, von der wir mein Zimmer und die beiden Büroräume gemietet haben, war bereits vor meiner Ankunft nach Deutschland gereist.

Die Deutsche Botschaft unterhält nach dem großen Anschlag nur einen Notdienst: Zum Tag der “Deutschen Einheit” also keine Feier. Ich hatte mich per Email angemeldet. Die Antwort: Der Kontakt zu NGOs bestünde nur noch von Berlin aus. Zum traditionellen Kartoffelpufferessen konnte ich nur die beiden “Brüder” begrüßen. Es fehlte der wunderbare Nachtisch, den sonst Annemarie Schwittek oder die “Schwestern” mitbrachten.

Leider hat auch das Internationale Rote Kreuz fast alle Einrichtungen geschlossen, nachdem ein Mitarbeiter ermordet worden war – und in die Provinz fuhren sie schon lange nicht mehr.

Die “French Bacery” aus Peshawar (Pakistan) war nach Sturz der Taleban nach Kabul zurückgekehrt. Es war immer ein Pflichtgenuss, dort einen Kaffee bzw. Tee mit den Mitarbeitern zu trinken. Sie boten auch Baquets und Backwaren mit deutschen Bezeichnungen wie “Berliner, Schnecken etc.“ an. Doch weil kaum noch Ausländer da sind, wurde dieses besondere Angebot eingestellt.

Die erste „Dienstwoche“ verlief wie immer sehr intensiv. Die Tage wurden für Medikamentenbeschaffung, Einkäufe etc. genutzt. Fahrten in der Stadt werden sehr erschwert durch große Barrikaden, die nach dem Anschlag auf die Botschaft aufgestellt wurden. Für unser Kabuler Auto musste die Registrierung erneuert und auch der Antrag für mein neues Afghanistanvisum musste auf den Weg gebracht werden. Nach ermüdenden und nicht zu verstehenden Schwierigkeiten bei den Ministerien gab es zunächst nur einen abschlägigen Bescheid. Schließlich erreichte der uns wohl gesonnene Parlamentarier Dr. Farooq Wardak es dann doch noch, dass ich das ersehnte Einjahresvisum erhielt.

Das Ministerium für Wirtschaft und Planung hatte sich eine neue Schikane ausgedacht. Sie prüfen sämtliche Ausgaben der letzten sechs Jahre, auch im Hinblick auf Steuern. Die Bank strukturiert ebenfalls wieder einmal um, verlangt von mir ein „WorkingPpermit“. Nach genauerer Erkundigung, Einreichen aller Papiere wie Registrierung beim Ministerium für Wirtschaft und Planung, Außenministerium, Gesundheitsministerium wollte die Leitung der Bank über uns zu Rate sitzen. Wir bekamen die Nachricht, sie würden eine Person zur Überprüfung zu uns schicken. Diese Person kam und zeigte sich erst einmal grenzenlos erstaunt. Wie bekannt, wohnen wir aus Kostengründen (nur) zur Untermiete bei der von Fam. Schwittek geleiteten Organisation.

Der Bankangestellte sah den Raum, der zum Aufenthalt, zum Essen und Schlafen für die Mitarbeiter in Kabul ausgestattet ist, wenn sie nicht nach Hause zurück können. Vor allem aber auch für die Mitarbeiter aus Chak, wenn sie nach Kabul kommen. An diesen anschließend ist der Büroraum. Der Bankangestellte bemängelte, es gäbe keine Fahne, keine Gardinen, keine Organisationstafel. Es sei also kein Büro. Er war wohl die reich ausgestatteten Büros in den Häusern der anderen Organisationen gewohnt. Wir teilten ihm mit, dass ja wohl die Praxis zählt: Unser Büro sei voll funktionsfähig, und das seit Jahren. Unsere Organisation würde von allen Ministerien in Afghanistan und in Deutschland vorschriftsmäßig kontrolliert. Die Funktion sei wohl wichtiger als eine luxuriöse Ausstattung. Außerdem könne er auch gerne nach Chak zur Besichtigung fahren (was er aus Sicherheitsgründen nie tun würde).

Sein Vorgehen sei von der Zentralstelle vorgegeben, so der Bankmitarbeiter: Es gäbe Tausende von Scheinorganisationen, die nur per Namen existierten und zur Geldwäsche etc. missbraucht würden. Das hätte er auch gleich erklären sollen, denn dieser Grund war natürlich einzusehen. Wie immer bringen die schwarzen Schafe den weißen unnötige Schwierigkeiten. Aber: Von diesem Besuch hängt ab, ob sie unser Konto sperren oder nicht. Alles in Afghanistan sind zeit -und nervraubende Prozesse. Die Menschen sind Menschen wie überall auf der Welt. Sie sind nicht automatisch Engel, auch wenn sie unter besonders schwierigen Bedingungen arbeiten u. leben müssen.

Ein besonderer Schwerpunkt meiner Tätigkeit waren diesmal leider Personalschwierigkeiten: Nachdem ich informiert war, nutzten wir die Ruhe des Freitags (islam. Sonntag) und den „eigentlich freien Tag“ aus Anlass des Todestages von Masood, um erneut Regularien zu erarbeiten, um diese dann in der großen Mitarbeiterbesprechung vorzustellen und gegenzeichnen zu lassen.

Unser ärztlicher Direktor hält sich z. Zt. in Indien auf. Er nimmt, über das Gesundheitsministerium, an einem zweijährigen Fernstudiengang teil und muss dabei alle sechs Monate für drei Wochen in der Maulana Azad Universität in Jodhpur anwesend sein. Die Studienfächer sind Epidemien, Gesundheitserziehung, Biologie, Medizin-Statistik. Der Abschluss ist ein Masterdegree in Public Health.

Der Chirurg kam mit höheren Gehaltsforderungen, sonst müsse er nebenher privat arbeiten. Da ich diese Forderungen nicht erfüllen konnte, kündigte er. Dr. Ehsan kannte zum Glück einen Interessenten, der gern bei uns arbeiten würde, und so fanden wir gleich Ersatz.

Trauer und Ehrfurcht vor ihrer Person und ihrem Werk ergriffen mich, als ich vom Tod der führenden Afghanistanexpertin Nancy Hutch Dupree erfuhr. Diese bewundernswerte Frau hat sich ihr Leben lang, unter anderem in der UN, weltweit für Afghanistan eingesetzt. Zuerst lebte sie viele Jahre in Pakistan, wo ich sie kennen lernte und wir Freundinnen wurden. Nach dem Sturz der Taliban zog sie nach Afghanistan um. Während der Besatzung durch die Sowjetunion hatte sie über 30.000 wertvolle afghanische Bücher aus der Bibliothek in Kabul nach Peshawar gerettet. Sie war auch im Hospital in Chak gewesen. Fast gleichzeitig starb auch die berühmte Dr. Ruth Pfau. Sie war durch ihr Ausbildungszentrum in Karachi bekannt. Sie widmete ihr Leben hauptsächlich dem Kampf gegen Lepra und Tuberkulose in Pakistan und auch in Afghanistan. Ihre Liebe galt den Ärmsten. Zwei einzigartige Frauenleben.

Der Höhepunkt war wie immer unser Hospital in Chak, diesmal leider erst fast zum Schluss meines Aufenthaltes, da ich die Rückkehr unseres ärztlichen Direktors aus Indien abwarten wollte. Nach wie vor sind Fahrt und Aufenthalt wegen des Entführungsrisikos gefährlich, ich verließ mich voll auf meine Mitarbeiter. Im Hospital fand gerade ein Seminar für die anstehende Impfkampagne mit 30 Teilnehmern aus dem Distrikt Chak statt. Derart geschult und mit Impfstoffen versorgt gehen sie in ihren Dörfern von Haus zu Haus, um gegen Kinderlähmung zu impfen.

Wir starteten recht früh um 6.00 Uhr. Die Weite der Landschaft und Frische der Bergluft öffneten wie immer mein Herz und meine Lungen. Am Hospital waren einige Panzer postiert: Die Arbeiten zur Wiederherstellung der vollen Funktionsfähigkeit des Wasserkraftwerks müssen vor Angriffen geschützt werden.

Und wieder gab es sie, die wohltuende Begrüßung der Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, Kinder, Patienten. Ich bekam einen kleinen Patienten auf den Arm, reichte ihn aber schnell zurück an sein älteres Geschwisterchen, als ich erfuhr, dass er Durchfall hat. Ich fürchtete um meine Kleidung. Denn wegen Armut gibt es keinerlei „Auslaufschutz“, d. h. der Durchfall geht voll in die Hosen: Die ältere Schwester muss das Malheur auswaschen und in die Sonne zum Trocknen hängen.

Zur Begrüßung und als Dank auch für die Spender und Freunde von Chak sangen die Kinder die afghanische Nationalhymne. Anschließend tanzten einige Mitarbeiter den Nationaltanz “Atan”. Das ist ursprünglich ein Kriegssiegestanz, aber auch zu interpretieren als Überwindung von Schwierigkeiten, neuen Anfang und Hoffnung.

In einen wahren Farbenrausch geriet ich, als mir die Frauen ihre Geschenke überreichten, verpackt in Kartons und reich geschmückt durch feine Perlarbeiten. Die Farbzusammenstellungen begeistern mich immer wieder. Sie sind wahre Künstlerinnen. Traurig war dagegen erneut, auch vor Ort zu hören, dass die gesamte Apfelernte durch einen Kälteeinbruch während der Blütezeit vernichtet worden war.

Einen Besuch, um mich wieder Richtung Kabul zu verabschieden, machte mir die gesamte politische Führung der Region, bestehend aus dem Kommandanten, den ich schon beim letzten Besuch traf, dem militärischen Obersten, dem Mitarbeiter des Geheimdienstes und dem neuen Chak-Guverneur. Er kennt mich schon seit 1989, hatte das Gymnasium vor Ort absolviert. Mehrfach sind Familienmitglieder von ihm im Hospital behandelt worden.

Die Trennung von diesem so guten Projekt, seinen Menschen fiel unsagbar schwer. Ich konnte zum Schluss nur sagen: „Auf Wiedersehen!”

 

Privater Bericht von Karla Schefter
Kabul, April 2017

Diesmal ein Ostergruß aus Afghanistan.

Dank sagen ist nicht nur eine Frage des Anstands, sondern auch die wichtigste Form anzuerkennen und wertzuschätzen, was andere für uns getan haben.

(Franz Josef Dorn)

In diesem Sinne möchte ich mich im Namen all derer bedanken, die im Chak-e-Wardak-Hospital Hilfe u. Unterstützung erhalten.

Sorgenvoll trat ich die Reise nach Afghanistan an. Das Abholen im Airport gestaltete sich aus Sicherheitsgründen schwieriger.

Auch unser altes Auto, ein Corolla wird demnächst nicht mehr erlaubt. Es müssen jedes Mal aufwendige Genehmigungen eingeholt werden, damit Abdul Latif bis zum Flughafen fahren darf und unser Auto auch relativ nahe auf den nächsten Parkplatz fahren kann.

In Kabul empfingen mich Kälte, Regen und Schlamm. Meine trübe Stimmung wurde noch intensiviert durch die Müdigkeit nach der langen Reise.

Erst der Empfang durch die Mitarbeiter, die guten Gesichter, erwärmten mein Herz. Freude füllte mein Zimmer aus. Geputzt, ein frisch bezogenes Bett, griffbereit Kaffee und Thermosflaschen, aufgereiht Wecker, Waschutensilien, alles, wie ich es brauche. Es galt dann nur noch zu ergänzen. Das Zimmer war geschmückt durch die ersten Frühlingsblumen, die wilden Bergtulpen. Ich fühlte mich wieder gut aufgehoben.

Nach der Begrüßung sehnte ich mich nur noch nach Schlaf.

Wie es so ist, liegt man, kommt der Schlaf nicht, da auch die Gedanken an alles, was an Arbeiten ansteht, einen nicht zur Ruhe kommen lassen.

Also als Schlafersatz meine Droge Kaffee.

Ich rief meine Vertrauten zusammen, und wir hatten erst unser gemeinsames traditionelles Essen, bestehend aus Köfte (Frikadellen), Hähnchenbeinen, Fritten, Grünzeug wie Tomaten, Gurken, Paprika. Dies wurde von Abdul Latifs Frau zu Hause zubereitet.

Schon während des Essens stellten wir die Arbeitsweichen für die kommende Zeit.

Es galt zuerst zu klären, wann und wie kann ich nach Chak. Dann galt es dementsprechend zu organisieren. Ich habe vollstes Vertrauen. Als klar war, dass wir fahren, hielten wir den Tag und alles andere fest. Natürlich wieder alles aus Sicherheitsgründen geheim.

Ein wichtiges Gespräch fand zwischen Dr. Peter Schwittek und mir statt. Bei ihm haben wir zwei Räume für meine Mitarbeiter gemietet, einer davon Büro, und mein Zimmer. Für unsere finanziellen Möglichkeiten ideal.

Leider steht schon seit Oktober letzten Jahres an, dass die Organisation eventuell das Haus aufgibt. Es ist aber bis heute alles in der Schwebe. Endgültige Aussagen gibt es nicht. Wir kamen überein, unseren Anteil für ein halbes Jahr zu zahlen. Es besteht die Möglichkeit, bis November zu bleiben. Für mich ist wichtig, dass ich bei meinem nächsten Aufenthalt Anfang September noch eine Bleibe habe. Mit meinen Mitarbeitern ist besprochen, sich bis dahin nach etwas Neuem um zu tun. Sie wissen, wie und wo, was infrage kommt. Wir haben dies eingehend besprochen.

Seit zwei Tagen erwacht man bei Sonnenschein. Sofort öffnen sich die Knospen saugen die wärmenden Strahlen auf, damit sich die ersten zarten Blätter entfalten können. Das hellt insgesamt die Stimmung auf. Die Kinder lassen Drachen steigen, aber das kann über die Depression, die ansonsten in Kabul herrscht, nicht hinweg täuschen.

Nach dem Anschlag auf das deutsche Konsulat in Mazar-e-Sharif musste die Botschaft in Kabul ihr Sicherheitskonzept überdenken. Das Resultat: Die Haupthäuser im Compound wurden geschlossen, da sie zu nahe an der Straße lagen, für Geschosse erreichbar. Jetzt müssen die Mitarbeiter der Botschaft von ihren privaten Wohnzimmern aus arbeiten. Vor ein paar Jahren wurde im Compound ein Haus gebaut, in dem die Botschaftsangestellten leben müssen. Es war aus Sicherheitsgründen verboten, außerhalb zu wohnen. Ansonsten können sie auch kaum raus, andere nicht rein.

Sehr vermisse ich meine ältesten Freunde, die „Schwestern”. Es waren katholische Nonnen: „Die kleinen Schwestern vom Herzen Jesu“. Sie verließen Afghanistan nach über 40 Jahren aus Alters- und Krankheitsgründen.

So fehlten “die Schwestern” auch bei dem traditionellen Kartoffelpufferessen, mit den besten Puffern der Welt. Auch fehlte Anne Marie, die Frau von Dr. Schwittek. Sie war in Deutschland geblieben. Es waren nur noch Dr. Schwittek da und die beiden Brüder einer evangelischen Bruderschaft, Jacques und George. Gott sei Dank wurde die Gästeschar noch erweitert durch Sebastian, einen Jesuitenpater aus Indien, der schon zweimal das Audit für uns gemacht hat. Mit ihm noch eine Krankenschwester, Silvia aus der Schweiz. Sie brachten mir eine Torte nachträglich zum Geburtstag.

Freud und Leid wechseln sich ab

Abdul Latif, mit dessen Familie ich schon über 20 Jahre vertraut bin, war schon im Begriff nach Hause zu gehen. Auf einmal erschien er wieder, und voll Freude brach es aus ihm heraus, seine Tochter habe ein Mädchen zur Welt gebracht. Mutter und Kind seien gesund.

Die Tochter hatte letztes Jahr geheiratet. Sie hatte den Abschluss der 12. Klasse in Pakistan gemacht, aber keine Möglichkeit gefunden zu studieren oder zu arbeiten. In Kabul konnte sie die Ausbildung als Physiotherapeutin anfangen. Mutterschutz wie bei uns gibt es nicht. Auch mit Kind geht es durchgängig weiter.

Die Frau von Abdul Latifs Sohn Abdul Waheed hatte vor drei Monaten ebenfalls ein Mädchen per Kaiserschnitt entbunden. Leider hatte sich die Wunde infiziert und ist immer noch nicht abgeheilt. Sie studiert Wirtschaft. Der jüngste Sohn von Abdul Latif studiert noch ein weiteres Jahr in Peshawar / Pakistan. Seine Verlobte in Kabul ist im Parlament. Ein Attentat auf das Parlament traf auch sie. Neben anderen Verletzungen verlor sie mehrere Finger an einer Hand.

Das Leben geht weiter.

Geschockt war ich von der Nachricht, dass Rabya, die Lehrerin der innerbetrieblichen Schule im Hospital, nach einer Herzattacke verstorben war. Sie war erst 37 Jahre alt. Die Traurigkeit hält an. Sie war eine ganz besondere Frau. Wir werden uns um einen Ersatz bemühen. Man sagt zwar, jeder sei zu ersetzen. Das gilt auch, aber wie?

Chak

Nach wie vor ist der Höhepunkt meines Afghanistaneinsatzes der Besuch in Chak; das ist mein Platz. Um sechs Uhr früh machten wir uns auf den Weg. Die Straßen waren noch wenig befahren. Aus der Dichte der Stadt hinaus ging es in die Weite der Provinzlandschaft, eingesäumt durch schneebedeckte Berge.

In Chak wieder fröhlicher Empfang, bei Tee und  Berichterstattung des Nachtdienst-Teams. Dabei wurde mir ein neu eingestellter Arzt vorgestellt. Er und seine Familie leben in der Nähe des Hospitals. Er machte einen ruhigen, gesunden Eindruck. Auch nach Aussage von Dr. Ehsan passt er ins Team. Leider hatte ein sehr qualifizierter Arzt gekündigt, da er eine vierjährige Facharztausbildung in Kabul vorhatte.

Das Wetter ließ es zu, dass wir draußen vor dem Frauen- und Kinderhospital die große Geschenkverteilung vornehmen konnten, gruppenweise. Spender in Deutschland hatten, wie ich immer sage, Freudengepäck zusammengetragen.

Gruppenweise kamen zuerst die Mitarbeiter, um ihre Geschenkwundertüten entgegen zu nehmen. Anschließend die Frauen die auch für mich Geschenkpäckchen in leuchtenden Farben hatten. Es waren hauptsächlich Eier.

Danach machte es Spaß, die Schulkinder, die kleinen Patienten, mit ihren Geschwistern zu beobachten. Jedes Kind konnte ein von Kindern in Deutschland liebevoll ausgesuchtes und verpacktes Geschenk entgegen nehmen. Scheu wurde es erst hin und her gedreht, gehalten, schließlich geöffnet. Freundinnen und auch Buben zeigten sich gegenseitig, was sie ausgepackt hatten. Es wurde getuschelt, begutachtet. Witzig war, dass ein fünfjähriger Bub Schminkutensilien etwas ratlos in Händen hielt. Als man ihm den Vorschlag machte, diese mit einem Mädchen zu tauschen gegen Stofftiere, weigerte er sich entschieden.

Es war ein Glückstag für alle. Die Augen strahlten um die Wette mit der Sonne.

Im Hospital konnte ich im Stationsflur des Frauen- und Kinderhospitals den neuen Tageslichteinlass begutachten. Man hatte dazu ein Spezialglas eingelassen, sodass der Flur wesentlich durch Tageslicht erhellt wird.

Berührend besonders wieder die Winzlinge, die wegen Lungenentzündung oder Bronchitis eine stationäre Behandlung brauchten. Ein Einstunden-Baby wurde mir in den Arm gelegt. An uns vorbei mühte sich eine schwer asthmakranke alte Frau.

Wir konnten einen Termin mit dem Distriktgouverneur von Chak bekommen. Aus Sicherheitsgründen hatten wir vorher nicht Bescheid gegeben.

Schon in Deutschland hatte mich die Nachricht erreicht, dass die Regierung die Kalaschnikovs unserer Sicherheitsleute zurück haben will. Wir haben zwei. Nach dem Überfall vor ca. sieben Jahren war mit den örtlichen Autoritäten und der Regierung ausgehandelt worden, dass die Gehälter der acht Sicherheitswächter von uns bezahlt, die Waffen aber von der Regierung gestellt werden. Wir wollten keine fremden Soldaten bei uns direkt im Hospital haben.

Nun sollten wir die Kalaschnikovs selber kaufen, die Regierung würde uns die Genehmigung dazu geben. Diese Waffe kostet unter der Hand ca. 700 Euro. Wir werden erst einmal versuchen, eine kostenlose Lösung zu finden, mit dem Hinweis, dass das Geld andernfalls den Patienten verloren geht. Immer wieder ist festzuhalten dass im direkten Gespräch eine Lösung gefunden wird. Ich erzählte dem Gouverneur, wie es dazu kam, dass wir Sicherheitsleute einstellten, ausgestattet mit zwei Waffen von der Regierung.

Dann machte ich ihm klar, dass ich nicht bereit sei, von Spendengeldern Waffen zu kaufen, sondern als medizinische Partei ausschließlich Medikamente. Der Gouverneur wiederum erklärte, dass es eine offizielle Forderung der Regierung sei, diese Art der nummerierten Waffen einzufordern. Alles andere wäre illegal. Es sei eine generelle Auflage für die Sicherheitsleute, dass sie ihre eigenen Waffen mitzubringen haben, wenn sie bei Nichtregierungsorganisationen oder privat eingestellt werden.

Schließlich bot er an, uns eine Waffe zur Verfügung zu stellen, die er Jemandem abgenommen hätte. Unsere acht Sicherheitsleute hatten sich wohl schon vorher besprochen, dass Jeder 1.000 Afghanis geben würde, um eine weitere Waffe anzuschaffen. Es muss sich wohl um eine simple Art handeln, da sie ja nicht als Kampfwaffen gebraucht werden. Am nächsten Tag wollte der Gouverneur die offiziellen Genehmigungspapiere ausstellen.

Zum Schluss stellte sich heraus, dass mich der Gouverneur schon kannte, als er noch ein Schulkind war. 1989 – 1991 saßen Kinder der Schule auf dem Gelände, auf das später die Hospitalgebäude kamen. Er konnte sich erinnern, dass ich in der Zeit keinen Kopfschleier trug, sondern ein Kappe wie die Männer.

Lachend erzählte ich, dass ich in jener Zeit mit Geburten befasst war, da es noch keine afghanischen Mitarbeiterinnen gab. Es kam eine Frau zur Geburt, die meine Hilfe verweigerte. Sie zog die Hose nicht herunter. Ich ging zum wartenden Ehemann und dem Arzt und erklärte, dass ich nichts tun könne. Der Ehemann gab daraufhin seiner Frau den Befehl, mich zuzulassen. Es hat dann geklappt. Wegen der Kappe hatte sie wohl gedacht, ich sei ein Mann. Allseits zufrieden verabschiedeten wir uns vom Gouverneur mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Plötzlich die Frage, ob ich willens sei, den Projektdirektor des Wasserkraftwerkes zu treffen. Selbstverständlich. Es wäre gut, aus erster Hand zu erfahren, wie das Wasserkraftwerk wohl nun doch reaktiviert wird.

Ich verfolge das Vorhaben schon seit 1992. Immer wieder wurden Gutachten erstellt, zu Aktivitäten kam es nicht. Nach dem Sturz der Taliban 2002 scheiterte es an den übertriebenen Forderungen der Bevölkerung, später fehlte es an Sicherheit. Jetzt hat die Regierung die Reaktivierung in Angriff genommen.

Der Projektleiter, ein sehr qualifizierter, perfekt Englisch sprechender Mann war in Chak geboren, also vor Ort. Er hatte keine Papiere und keine Visitenkarte bei sich. Angeblich sei er schon dreimal von Taliban gekidnappt worden. Er nutzte die Möglichkeit, mich zu informieren, welch großartiges Vorhaben da läuft. Ich solle dies weiter geben, um Investoren zu empfehlen, weitere Projekte nach Chak zu bringen.

Es waren schon Wohncontainer für die Elektriker und anderes am Wasserkraftwerk aufgestellt worden. Manches dauert eben sehr lange. Die Geduld der Afghanen ist sprichwörtlich; nicht aufzugeben ist gelebte Hoffnung.

Schließlich war es Zeit fürs Mittagessen. Wie immer bei meinen Besuchen gab es ein Festessen, wichtig dabei möglichst viel Fleisch.

Danach galt es Abschied zu nehmen von den mir ans Herz gewachsenen Menschen. Sie sind liebenswert, es ist ein großartiges wichtiges Projekt, es gilt, es für die Menschen unbedingt zu erhalten.

Die Rückfahrt verlief problemlos. Es war ein guter Tag.

Am nächsten Tag hatte ich ein Treffen mit I.C.R.C. (Internationales Rotes Kreuz). Sechs I.C.R.C. Mitarbeiter sind kürzlich getötet worden. Schon lange können sie nicht in Provinzen wie z. B. die unsere fahren. Das Rote Kreuz an ihren Autos ist sehr auffällig. Es bedeutet für sie nicht Schutz, sondern Gefahr. Sie haben insgesamt ihre Aktivitäten sehr reduziert.

Das Gespräch verlief gut, hoffentlich kommt auch eine Art von Unterstützung. Allerdings sind sie letztlich nur für Kriegsverletzte zuständig.

Besuch kam von dem Bruder und Schwager von Matiullah, dem Administrator, der die ganze Zeit bei mir in Kabul ist. Es gab die üblichen Gastgeschenke, Obst und Blumen, wieder Bergtulpen.

Der Schwager arbeitet seit zehn Jahren im Gesundheitsministerium in der Provinz, er verdient ca. 60 Dollar im Monat. Die Augen schauen hungrig, erwartungsvoll. Vielleicht besteht ja mal die Möglichkeit, über mich an einen besser bezahlten Job zu kommen, die Chance auf ein besseres Leben.

Wie auch in Deutschland wird alles komplizierter, gibt es neue Bestimmungen. So hat auch hier die Bank umstrukturiert, braucht Unterschriften auf über 25 Seiten.

Mit dem Apotheker, über den wir schon seit der Talibanzeit unseren medizinischen Bedarf bestellen, gehen wir den neuen Auftrag durch. Vor zwei Jahren brachte er seine Familie in die Türkei. Sie leben dort im Camp. Ein Sohn war gekidnappt worden. Der Apotheker hat sein Haus aufgegeben und lebt über seinem Geschäft.

Für Kidnapper sind Ausländer, Geschäftsleute, Minister interessant:

Auch aus Steinen,

die einem in den Weg gelegt werden,

kann man Schönes bauen.

z. B. das Chak-e-Wardak-Hospital.

 

 

Privater Bericht von Karla Schefter
Kabul, im Oktober 2015

Ich freue mich, ich bin wieder in Kabul. Für wenige Wochen nur, die Lage lässt nicht mehr zu, mein Einsatz wird entsprechend konzentriert.

Sicherheit? Ja, natürlich ist es gefährlich, ich bin vorsichtig, ich exponiere mich nicht, aber wenn ich meinen Auftrag erfüllen will, dann sind damit Risiken verbunden. Das wird mich nicht davon abhalten, einen Projektbesuch in Chak zu machen. Ich muss alles selbst in Augenschein nehmen, die Probleme selbst sehen, die Mitarbeiter müssen mich sehen, sie müssen Vertrauen haben, aber auch wissen, dass es Aufsicht und Kontrolle gibt. Das wünschen auch unsere Spender.

Nach meinem Besuch in Chak kann ich feststellen, dass augenscheinlich und im Großen und Ganzen in alles Ordnung ist. Das Hospital funktioniert weiter tadellos, eine unglaublich große Zahl von Patienten, über 7000 ambulante und über 800 stationäre Patienten werden jeden Monat behandelt (unverändert sind dies zu rund 75% Frauen und Kinder). Man möchte sich nicht vorstellen, wie das große Patienten-Einzugsgebiet der Provinz Wardak ohne diese medizinische Versorgung dastände. Unser Hospital bietet eine Basisversorgung, bei der das Wichtige vorhanden ist und die Ärzte und das Pflegepersonal das Mögliche tun. Man würde gerne mehr tun, hier und da mehr anschaffen, vergrößern, mehr Personal einstellen – wenn wir die Mittel dafür hätten, das auch dauerhaft betreiben zu können. Aber sich finanziell zu überheben würde bedeuten, auch das jetzt gut Funktionierende zu gefährden.

Die Reise nach Kabul mit Zwischenaufenthalt in Dubai war planmäßig. Das Flugzeug war völlig ausgebucht, weil in die letzten Septembertage das Opferfest „Id“ fiel. Es ist das höchste islamische Fest, man feiert es wenigstens drei Tage möglichst im Kreis der Großfamilie. Von Dubai nach Kabul waren es deshalb fast nur Afghanen, die einstiegen, um zu ihren Familien zu reisen.
In Kabul dann wieder die gewohnt fröhliche Begrüßung. Es gibt einem eine Art Heimatgefühl. Die Mitarbeiter bringen die beliebten Begrüßungsgeschenke, wie Eier, Honig, Äpfel und Abdul Latif sogar Köfte (Frikadellen), Hühnerschenkel und Pommes frites von zu Hause. Das gemeinsame Essen war ein wunderschönes Gemeinschaftsgefühl. Mehr lesen

 

Privater Bericht von Karla Schefter
Kabul, April 2015


Meinem neuen Frühjahrs-Arbeitsaufenthalt in Kabul hatte ich zuerst mit Bangen, dann aber auch mit Zuversicht entgegengesehen. Ende des Jahres hatten die allermeisten NATO-Truppen einschließlich der Deutschen das Land verlassen. Welche anderen NGOs würden noch in Kabul verblieben sein?
Die Route über Peschawar nach Kabul war mir versperrt. Deshalb führte mich der Weg von Düsseldorf mit einer Zwischenlandung in Dubai direkt nach Kabul. Der Abflug von Düsseldorf, planmäßig für 21:25 Uhr vorgesehen, wurde zu einem kleinen Drama, denn die einfliegende Maschine war wegen eines heftigen Sturms über Deutschland arg verspätet gelandet.
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Kabul, April 2014

Privater Bericht von Karla Schefter

Es geht wieder einmal nichts? Es fehlt an allen Ecken und Enden? Nein, wir lassen uns nicht einschüchtern, wir lassen uns nicht unterkriegen, wir halten durch, wir kriegen das hin. Wir wissen ja, dass Afghanistan ein schwieriges Land ist. Da sind wir geübt, Hürden zu übersteigen oder sie links liegen zu lassen und weiter zu machen, nach vorne zu schauen. Wir halten an unserem Wardak-Krankenhaus fest. Ein starkes Komitee im Rücken, mit vielen Helfern, vielen Spendern, das schaffen wir.

So habe ich mir auf dieser Frühjahrsreise nach Kabul Mut gemacht. In Kabul finde ich eine angstvolle Spannung vor. Am 5. April soll die Wahl des Staatspräsidenten stattfinden. Karzai bewirbt sich nicht wieder, acht Bewerber kämpfen um seine Nachfolge. Die Taliban sind gegen die Wahlen, bedrohen jeden mit dem Tode, der wählen gehen will. Viele trotzen den Taliban und gehen zur Wahl, auch tapfere Frauen. Wie viele es wirklich sind, was an den von den Interessengruppen verbreiteten Meldungen stimmt, auch wie die Verhältnisse auf dem weiten Land im Gegensatz zur Hauptstadt Kabul sind, das werden wir erst später erfahren. Am 28. Mai soll noch eine Stichwahl stattfinden, falls am ersten Wahltag keiner der Kandidaten 50 % der Stimmen erhält. Wird der Ausgang der Wahl auch unser Projekt beeinflussen? Kaum.

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01. 11. 2013

Karla Schefter in eigener Sache

Aufmerksam machen möchte ich in eigener Sache auf mein neues Buch „Frauen – Menschen“. Es ist ein Lyrikband mit meinen Erlebnissen aus rund 30 Jahren Afghanistan. Bei jedem, der es schon besitzt, ruft es Begeisterung hervor. Meine Freundin schrieb dazu: „Dies Buch ist ein Erlebnis“. Bald ist Weihnachten, wäre dies nicht ein schönes Geschenk für einen lieben Menschen – oder an sich selbst? Das Buch wird auf meine Kosten verlegt, hat also nichts mittel- oder unmittelbar mit unserem Hospital-Projekt zu tun. Sie können das Buch telefonisch (0231-423798), per Fax (0231-4251538) oder per E-Mail (chic@pes.comsats.net.pk) bestellen (Preis 30,00 €, Versand 1,65 €). Ich bin seit November wieder in Deutschland und schicke es Ihnen umgehend zu. Freuen würde ich mich sehr, auch einmal Rückmeldung zu meinem Bericht und/oder zu meinen Büchern zu erhalten.

25.06.2013

Privater Bericht von Karla Schefter

Kabul, Anfang April 2013. Das Wichtigste zuerst: unser Hospital in Chak läuft normal, und das bedeutet gut! Das ist eigentlich eine sensationelle Nachricht, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass sich das Land inmitten eines furchtbaren Bürgerkriegs befindet, und die Provinz Chak besonders stark betroffen ist. Das Hospital läuft gut dank der afghanischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dank dem nicht verzagenden Kuratorium und Vorstand, dank der weiterhin großzügigen Spender und Freunde Chaks.

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12. 12. 2012

Hospitalprojekt erhält Siegel für nachhaltige Projekte


Im Namen des Oberbürgermeisters der Stadt Dortmund hat das Stadtamt für Angelegenheiten des Oberbürgermeisters und des Rates unserem Hospitalprojekt das Siegel für nachhaltige Projekte 2012 der Stadt Dortmund verliehen. Sehen können Sie diese Auszeichnung von nun an am linken Rand unserer Homepage. Wir vom Komitee sind dankbar für diese Auszeichnung: Sie gibt unseren Spendern ein gutes, beruhigendes Gefühl und bestätigt ein weiteres Mal, dass die Spendengelder für ein nachhaltiges Projekt der humanitären und – vor allem – medizinischen Hilfe eingesetzt werden und den Menschen in Afghanistan zugute kommen.

02. 11.  2012 (aktualisiert)

Basira ist der 1-Millionste Patient

Am 26. August war es soweit: Die 12-jährige Basira aus dem rund vier Kilometer vom Hospital entfernten Baba Kala Village ist der Ein-Millionste (1.000.000) Patient, seit wir im Jahr 1994 unsere statistische Erfassung der Patientenzahlen gestartet haben. Sie wurde mit einem ernsten Nierenleiden eingeliefert. Nach erfolgreicher Behandlung können Basira und ihre Familie jetzt wieder lachen. Damit schreibt das Chak-e-Wardak Hospital in den 22 Jahren seines Bestehens eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Mehr dazu in unserem Herbst-Informationsbrief.