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01. 11. 2012

Privater Bericht von Karla Schefter

Kabul, Oktober 2012. Bei diesem neuen Afghanistan-Einsatz war nicht alles schön, das Wetter auch nicht besonders gut. (Aber bereits eine köstliche Mango kann den Tag aufhellen.)

Der pakistanische Geheimdienst besucht mich in Peschawar
Schon bei meiner letzten Reise wurde ich im Flughafen von einem Geheimdienstler bearbeitet. Dies¬mal kamen zwei ins Haus. Sie ließen sich meinen Reisepass zeigen und wunderten sich über meine zahlreichen Aufenthalte und den Vermerk NGO-Work. Unwillkürlich zieht man den Kopf ein, auch wenn man ein gutes Gewissen hat. Man ist mehr oder weniger ihrer Willkür ausgeliefert. Sie hatten wohl den Verdacht, ich könnte für den Bundesnachrichtendienst arbeiten. Konnte dann aber anbrin¬gen, dass ich die Sprache nicht kann. In meinem Visumantrag steht, dass wir das Hospital in Afgha¬nistan haben. NGO-Work bedeutet, dass im Krankheitsfall oder bei besonderer Gefahr Peschawar als Ausweichmöglichkeit gebraucht wird – und auch, um Materialien zu kaufen, die in Afghanistan nicht erhältlich sind: Diesmal Stoffballen von starker Baumwolle für neue OP-Tücher.

Internationale Standard Chartered Bank, Peschawar
Der Vorgang ist von Anfang an ein großes Ärgernis: Sie haben unsere Konten geschlossen. Ich habe Null Verständnis dafür. Wir haben gekämpft. Wir haben uns so aufgeregt, dass ich schon dachte, Abdul Latif bekäme einen Herzinfarkt. Gut, dass ich in Absprache mit unserem Schatzmeister 10.000 Euro (= erlaubter Maximalwert) in bar nach Peschawar mitnehmen konnte. Hätten wir dieses Geld auf die Peschawar-Konten überwiesen, es wäre heute weg.

Das Wasserkraftwerk (WKW) in Chak
Schon bei meinem letzten Aufenthalt im April war dies ein wichtiges Thema. Es geht ums Geld. Wer soll die erforderliche Sanierung, Reparaturen, Personal des WKW bezahlen? Im Augenblick liefert es nur Strom für die Beleuchtung des Hospitals und für ein paar umliegende Dörfer – und das weder zu¬verlässig noch das ganze Jahr. Zwischen den Zeilen gelesen und den Gesprächen entnommen: Das Ministerium in Kabul zeigt am WKW kein Interesse mehr. Es verlangt, dass die Gehälter der Ange¬stellten von den Stromabnehmern getragen werden, und das rückwirkend für die vergangenen sechs Jahre. Dafür sollten wir 56.000 Euro auf den Tisch legen. Ghulam Moh. hat ausgerechnet, dass wir zukünftig jeden Monat 960 Euro zahlen müssten! (Wohlgemerkt, nur für Beleuchtung, denn unsere Geräte betreiben wir über eigene Dieselgeneratoren.) Man hatte uns nie aufgefordert, dass, ab wann und wieviel wir für Strom zahlen sollten, schon deshalb verbietet sich eine Zahlung für vergangene Jahre. Wir haben uns deshalb vom WKW abgekoppelt. Ich denke, der derzeitige Direktor wird das WKW verlassen. Er fürchtet wahrscheinlich das Ministerium, da er die hohe Nachforderung eigen¬mächtig gestellt hat, ohne Auftrag oder Unterrichtung des Ministeriums.

Generell und besonders vor diesem Hintergrund ist für uns die Versorgung mit Solarenergie (Hei߬wasser und Strom) in dieser Saison ein entscheidender Fortschritt. Es kam gerade rechtzeitig, um den Bruch mit dem WKW aufzufangen. Alle sind sehr dankbar dafür, und besonders glücklich über das heiße Wasser.

Medikamente aus Deutschland
Seit 1993 werden wir von der Action Medeor unterstützt, dem großen deutschen Hilfswerk, das Me¬dikamente für Drittweltländer spendet. Im Augenblick können wir dort für 30.000 Euro Medikamente beziehen. Dr. Ehsan hat eine Bedarfsliste erstellt.

Die Frage war, wie wir die Medikamente nach Afghanistan schaffen, und ob sich jemand findet, der die Beförderungskosten übernimmt. Früher hatte dies eine private Fluggesellschaft übernommen, sie hat inzwischen ihre Flüge nach Kabul eingestellt. Nach vielen vergeblichen Versuchen tat sich vor einem halben Jahr eine neue Chance auf. Es gibt in Kabul ein deutsches Diagnosezentrum mit sehr gutem Ruf. Action Medeor hat uns mit dessen Leiter in Kontakt gebracht. Er war bereit uns zu helfen. Das Diagnosezentrum hat seine eigene Transportabteilung, die gut mit Aktion Medeor zusammenar¬beitet. Aber da gibt es auch noch das Pharmacy Department, das die Einfuhren von Medikamenten genehmigen muss. Dessen Bestimmungen verursachten erneut viel Arbeit, denn sie genehmigen ei¬nige Medikamente nicht zur Einfuhr, obwohl sie den deutschen Arzneimittelvorschriften entsprechen. Zusätzlich gibt es die Auflage, nur eine gewisse Anzahl von Einzelpositionen pro Blatt zu verwenden. Jedes Blatt muss einzeln gestempelt und jeweils mit Anschreiben an die diversen Ministerien verse¬hen werden. Trotz Erfüllung aller dieser Punkte wurde in manchen Ministerien die Zustimmung sehr unwillig und erst nach mühseligen Diskussionen erteilt: Wir gelten als Talibanhospital, welch ein Un¬sinn! Mehr als 70% der Patienten sind Frauen und Kinder, der Rest normale, arme Zivilisten.

Vielleicht rührt diese unsinnige Ansicht daher, dass Regierungsangestellte weder zum Hospital noch in die Region kommen können. Der Regierungsposten des Distrikts Chak ist nur einen km entfernt, die Leute dort müssen mit Hubschraubern versorgt werden. Will man die Unsicherheit der Provinz etwa unserem Hospital anlasten? (Der Einfluss der Taliban in unserer Provinz ist unbestreitbar. Das macht Reisen gefährlich.) Die Regierung in Kabul lässt solche Gebiete fallen. Sie ist nicht mehr inte¬ressiert, wie das Beispiel Wasserkraftwerk zeigt.

Die Papiere für den Medikamententransport sind jetzt wohl fertig, und Action Medeor kann die Medi¬kamente auf den Weg bringen. Aber die Beförderungskosten! 7.000 Euro! Ich bin vor Schreck er¬starrt, als ich diese Zahl hörte. Eine deutsche Vereinigung, die die Transportkosten übernehmen wollte, ist über diesen Betrag genauso erschrocken. Es gebe zwar Geld für Afghanistan, aber auf kei¬nen Fall so viel. Man würde sich darum kümmern und den möglichen Betrag auf unser Spendenkonto überweisen.

Man merkt, dass wir für viele Stellen nicht interessant genug sind: Von uns ist kein Bakschisch zu erwarten. Den Banken ist unser Umsatz nicht groß genug. Nur Menschen, Patienten zu helfen, das reicht nicht, da ist nichts rauszuholen.

Wir hatten bei Ing. Mahmood, dem früheren Administrator, eine Einladung. Er lebt in einem neuen Hochhaus. In der Wohnung im 7. Stockwerk leben sie zu drei Familien. Dr. Ehsan lebt mit seiner Fa¬milie und der Familie seines Bruders in ebenso einem Hochhaus im 6. Stock. Zusammen haben sie neun Kinder. Es wird erzählt, dass selbst in Kabul die Schulen nicht besonders gut laufen, dass es keine Disziplin gäbe. Lehrerinnen wären etwas besser als ihre männlichen Kollegen.

Ing. Mahmood war schon vier Jahre nicht mehr in seinem Heimatort Jaghatu in Wardak, wo ich einen großen Teil meines ersten Buches geschrieben habe. Nicht nur Ausländer werden gekidnappt oder erschossen. Auch Afghanen, die bekannt sind, können nicht mehr ohne weiteres reisen, wie auch An¬gehörige von Armee, Polizei, Regierung, UN etc., oder Geschäftsleute mit Geld.

Das Hospital wird winterfest gemacht. Wir konnten hier einen Metallarbeiter anheuern, der mit den Mitarbeitern nach Chak reist, um die kaputten Dachrinnen zu reparieren. Abgeschlossen ist die Reno¬vierung des Frauen- und Kindertrakts.

Personalangelegenheiten fallen immer an, sind auch nur direkt zu regeln, z.B.: Die frühere Hebamme Seema heiratete und zog zur Familie ihres Mannes nach Kabul. Sie schien mir aufgeweckt und stark. Sie konnte mir nicht ins Gesicht sehen, sie schien gedrückt. Ich erklärte es mir mit der Situation der Neuverheirateten, in einer neuen Familie. Sie arbeitet nicht mehr. Seema war gekommen, um mir ihre Schwester und Schwägerin für den Dienst vorzustellen. Die beiden Frauen sind Hebammen, kennen sich aber nicht in der Pflege aus. Ich habe sie eingestellt: drei Monate Probezeit, Gehalt von Schwes¬ternhelferinnen, nach bestandener Probezeit volles Gehalt.

Seema bat, auch ihren Mann als Krankenpfleger einzustellen. Ich habe das abgelehnt, wir haben keine offene Stelle. Sie selbst wollte auch wieder bei uns arbeiten, wenn ihre neue Familiensituation das zulässt. Es kam heraus, dass das wohl ohne ihren Mann nicht geht. Später erzählte mir Matiullah, dass diese Seema beim Gesundheitsministerium angerufen hätte, um uns mit unrichtigen Angaben zu de¬nunzieren. Wenn ich das durchschaue, war es wohl so, dass Seema durchsetzen wollte, dass wir auf jeden Fall ihre Verwandten einstellen. Musste sie uns deshalb anschwärzen? Jetzt wird mir auch klar, weshalb sie mir nicht offen ins Gesicht sehen wollte, sie hatte ein schlechtes Gewissen. Wir werden sie nicht wieder einstellen.

Alte Betten sind gegen neue ausgetauscht. Der Röntgenraum hat zum Strahlenschutz eine neue Blei¬verkleidung erhalten. Vor den Ambulanzen ist eine Überdachung errichtet, zum Schutz gegen Sonne, Regen, Schnee.

Der Winter soll wieder für Fort- und Weiterbildung genutzt werden.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) hat Kontakt zu uns auf genommen. Sie sind über die Kämpfe informiert und haben uns für die Kriegsverletzten Material zukommen lassen. Es ist eine geringe Menge, aber besser als Nichts. Ich habe mich mit den dafür zuständigen "Kollegen" ge¬troffen, leider sind ihre Einsätze immer nur auf sechs Monate begrenzt.

Unsere Ein-Millionste Patienten ist die 12- jährige Basira mit einem Nierenleiden. Sie und ihre Mutter mit kleinem Bruder (siehe auch Bericht und Bilder im Informationsbrief 8, der ebenfalls hier im In¬ternet steht) kamen mit unseren Mitarbeitern nach Kabul. Ich übergab eine Zusammenstellung von Geschenken. Sie genossen den Tag.

Die allgemeine Stimmung ist gedrückt, überlagert von Sorge und Angst. Alles sieht bang dem Jahr 2014 entgegen. Bis dahin werden die amerikanischen Soldaten noch einiges mehr in unserer Provinz kaputt machen, bei ihren Einsätzen gegen Terroristen, Extremisten.

Der besondere Lichtblick meiner Zeit in Kabul war wie immer der traditionelle Betriebsausflug unse¬rer Mitarbeiter von Chak. Es kamen 63 Frauen und Männer. Die "guten Gaben" für mich waren sehr reduziert, der Hagel hatte die Apfelernte vernichtet. Dank besonderer Spender konnte ich jedem unse¬rer Mitarbeiter eine schöne Geschenktüte überreichen. Freude gegen Depressionen.

Fast jeden Tage Kämpfe in verschiedenen Gegenden Chaks. Immer wieder sind unsere Mitarbeiter zu bewundern, dass sie trotzdem ihren Dienst so gut versehen.

Interessant und eine Bestätigung meiner Kenntnisse war ein Bericht des arabischen Fernsehens Aljazeera über die Defizite der Krankenhäuser in Afghanistan. Danach gibt es 19 Krankenhäuser, die noch nicht einen Patienten gesehen haben. Hier in Kabul wurde das frühere Jamhuriat Hospital 2002 von Chinesen baulich reaktiviert. Es fiel wegen gravierender Baumängel noch im gleichen Jahr zu¬sammen und begrub viele Tote unter sich. Daraufhin bauten die Chinesen ein zehnstöckiges Hospital neu. Es läuft nicht, kein Personal. Die Gesundheitsministerin bat in einem Interview um weitere 40 Millionen und zwar nur für Reparaturen. Die Fernsehreportage zeigte, wie sich der Boden löst, die Wände bröckeln, Belüftungen nicht funktionieren. Und: Die selbe Gesundheitsministerin steht unter Anklage des Parlaments. Sie soll einige Verwandte auf die Gehaltsliste gesetzt haben, die nicht ar¬beiten, aber mit jeweils 6.000 US-Dollar fürstlich entlohnt werden.

Im Mazar-e-Sharif war ein kleineres Hospital geplündert worden. Ein deutscher General versprach ein neues Krankenhaus zu bauen. Er brachte ca. 11 Mio. Euro zusammen, für den Rest, bis ca. 40 Mio., trat die Bundesrepublik ein. Aber das Krankenhaus läuft nicht. Der afghan. Direktor zieht die Patien¬ten in seine Privatpraxis. "Normale" Patienten kommen nicht. Trotzdem werden von deutscher Seite erneut 40 Mill. rein gesteckt, so jedenfalls erzählt man.

Unterm Strich also: Viel Geld für viele Projekte, die nicht funktionieren. Da ist es bitter, dass unser Krankenhaus, das landesangepasst seit so vielen Jahren hervorragend arbeitet und gerade den 1 millionsten Patienten behandelt hat, nicht aufmerksam wahrgenommen, geschweige denn unter¬stützt wird.

Der Kreis der Ausländer in Afghanistan wird immer kleiner. Man merkt es auch daran, dass nur noch wenige Menschen die Sonntagsandachten bei den Brüdern (es sind auch nur noch zwei) besuchen. Es liegt aber auch daran, dass die Fortbewegung innerhalb von Kabul immer schwieriger wird: Die Si¬cherheitsvorkehrungen sind enorm, die Straßen sind verstopft, der Autoverkehr ist auf Kriechtempo reduziert.

Erntedank
Eine Mitarbeiterin der Caritas, der ev. Militärdekan und ich waren ins Camp Warehouse zum Ernte¬dankgottesdienst eingeladen. Aber wie kommt man dahin? Die Militärs hatten striktes Stadtverbot. Bruder Jaques hat einen besonderen Sicherheitsausweis für das Camp, sein Auto hat jedoch ein orange-rotes NGO Kennzeichen. Bruder Jaques fuhr es nicht, weil kurz zuvor ein NGO-Auto am frü¬hen Abend beschossen worden war. Das Auto der Caritasmitarbeiterin durfte ab 18.00 Uhr nicht mehr fahren. Unser eigener Pick-up mit ebenfalls einem auffallenden NGO-Nummernschild kam nicht in¬frage, außerhalb des engeren Stadtgebiets von Kabul benutzen wir ihn aus Sicherheitsgründen schon seit Jahren nicht mehr. Schließlich haben wir ein sogenanntes Sicherheitstaxi zum Camp genommen. Das sind Taxis, die registriert sind und besondere Auflagen haben. Zwei gepanzerte NATO-Jeeps holten uns ab, aber um uns zum Ort des Geschehens zu bringen, hatten wir noch zahlreiche im Slalom angelegte Sicherheitsbarrieren zu passieren.

Der evang. Militärpfarrer ist unerschrocken, menschlich, sehr sympathisch. Er hat eingeführt, dass der Gottesdienst an wechselnden Orten stattfindet, entsprechend den unterschiedlichen Aufgabenberei¬chen der Soldaten. Erntedank fand so im Verkaufsladen für die Soldaten statt. Die Verkaufstheke war mit den Früchten des Landes beladen, Wasser- und Honigmelonen, Weintrauben und vieles andere, dazu Fladenbrot. Ich hatte mit Äpfeln aus Chak die Gabenfläche bereichert.

In seiner Predigt verglich der Pfarrer die Anspruchshaltung, die uns in unseren reichen Ländern eigen ist, mit der Minimalexistenz des Überlebens der Gesellschaft in Afghanistan. Der Dekan spielte Gi¬tarre, der Pfarrer blies mit Leidenschaft das Horn, und auf dem Harmonium ließ eine Soldatin ihr Temperament aus. Anschließend entwickelten sich noch interessante Gespräche, besonders mit dem neuen Oberst, der sehr an den Menschen und der Provinz interessiert war. Es stellte sich heraus, dass unser Schatzmeister Rainer Stadelmann sein Ausbilder bei den Starfightern in Arizona gewesen war. Das schaffte natürlich Nähe. Es war eine gute Ernte, reich an Denkanstößen und menschlichem Aus¬tausch.

Auch dieser Aufenthalt in Afghanistan war wieder sehr wichtig, um die Brücke von West nach Ost zu beschreiten. Es gilt, über Abgründe hinweg nicht abzustürzen oder im Sumpf zu versinken. Es musste der Boden mit den Afghanen bereitet werden für unser so wertvolles Projekt für die Menschen. Dank sei Jedem der dabei behilflich ist.

Ein ganzer Tag für gerade einmal 45 Minuten Flug
Viele Jahre konnte ich von Peschawar nach Kabul per Straße reisen. Für die Strecke zwischen Peschawar und dem Grenzübergang Khyber-Pass, die durch die Stammesgebiete führt, brauchte man immer eine Sondererlaubnis, dazu noch eine Leibwache. Wegen der Kämpfe und Entführungen geht das seit drei Jahren nicht mehr. Ich konnte dann mit dem I.C.R.C. Int. Komitee vom Roten Kreuz un¬entgeltlich fliegen. Inzwischen hat das I.C.R.C. den Flugverkehr nach Peschawar eingestellt. Deshalb musste ich auf die PIA = Pakistan Int. Airlines ausweichen. Die PIA fliegt nur sonntags zwischen Kabul und Peschawar. Da mein Visum abzulaufen drohte, flog ich deshalb bereits donnerstags von Kabul nach Islamabad, um von dort mit dem Auto weiter nach Peschawar zu reisen.

Im Flughafen Kabul traf ich auf eine junge afghan. Frau. Oh Wunder, sie reiste ganz alleine. Ge¬schickt hängte sie sich schnell an mich: „Ich gehöre jetzt zu Ihnen“. Das ist ganz afghanisch, man drängt sich auf, Nein sagen ist dann nicht möglich. In dem Fall war ich natürlich sehr gerne bereit, mich ihrer anzunehmen. Es zeigte sich, dass sie als Ärztin im französischen Kinderkrankenhaus in Kabul arbeitet, das von der Aga Khan Stiftung unterhalten wird. Als Flüchtling hatte sie in Peschawar ihr Medizinstudium begonnen und später in Kabul fortgesetzt. Sie wollte jetzt an einem Fachseminar in Karachi teilnehmen. Sie war unverheiratet und ihren Eltern dankbar, dass sie sie ohne Begleitung reisen ließen. (Wie gut geht es doch uns Frauen in Deutschland, wo es selbstverständlich ist, alleine zu leben, zu reisen.)

Der Reiseverlauf: Ich werde um 11.00 Uhr von meiner Unterkunft in Kabul abgeholt, es geht stop-and-go zum Flughafen. Über lange Wege und durch viele Sicherheitsschranken braucht man minde¬stens eine Stunde. Das Flugzeug Kabul-Islamabad sollte um 15.00 Uhr abheben, startete aber mit 2 ½ Stunden Verspätung. Dazu dann nochmals 2 ½ Stunden für die Autofahrtfahrt von Islamabad nach Peschawar, Ankunft dort dann schließlich um 21.30 Uhr.

Aufatmen in Peschawar, ein großer Schritt gen Heimat war getan. Auch das Gefühl von etwas mehr Freiheit als in Kabul war da und das Wetter so gut, dass ich die "neue, begrenzte Freiheit" auf der Ter¬rasse ausleben konnte. Dank dafür.

Alles ist relativ.

11. Juli 2012

Neues Spenderverwaltungsprogramm installiert

Mit dem 3. Quartal 2012 konnten wir ein neues Programm für die Spenden- und Spenderverwaltung installieren. Dieses spart uns ab sofort Lizenzgebühren, die wir für das bisherige Programm bezahlen mussten. Darüber hinaus ist seine Handhabung unkomplizierter und es vermeidet durch intelligente Exportfunktionen Doppelarbeiten, die bisher bei unserem Buchhalter und Schatzmeister zusätzlich zu erledigen waren.

Die Gelegenheit haben wir gleichzeitig genutzt, um die hinterlegten Formbriefe zu aktualisieren, zu modernisieren und einige „Ungereimtheiten“ der Vergangenheit zu beseitigen. Wir freuen uns, dass die Einsparungen durch das neue Programm direkt unserem Projekt und damit den Menschen in Afghanistan zugute kommen.


08.05.2012

Bewährtes Vorstands-Quintett im Amt bestätigt

Am 5. Mai fand in Dortmund die jährliche Mitgliederversammlung unseres mildtätigen Vereins „Afghanistan Hospital-Projekt“ statt. Satzungsgemäß stand dabei auch die Wahl aller Mitglieder des Vorstandes auf der Tagesordnung. Einstimmig für zwei Jahre im Amt bestätigt wurden dabei:

- 1. Vorsitzender Gerhard Sprißler
- 2. Vorsitzende Dr. Ramona Schumacher
- Schatzmeister Rainer Stadelmann
- Schriftführerin und Spenderbetreuerin Barbara Wiegel
- Projektleiterin Karla Schefter

Die Mitglieder sprachen den Wiedergewählten ihre Glückwünsche aus und bedankten sich für die in den zurückliegenden Jahren geleistete erstklassige Arbeit.

07.05.2012

Benefizveranstaltung für das Afghanistan-Hospital
Geburtstagsfeier in Dortmund zu Ehren von Karla Schefter

Für die Feier ihres 70. hatte sich Frau Schefter etwas ganz besonderes ausgedacht: „Nicht ich soll gefeiert werden, sondern allenfalls das 'ICH im WIR' (Sufi-Weisheit). Dieser Tag soll die Gelegenheit sein, Dank auszudrücken an alle, die meinen Lebensweg begleitet und die mir geholfen haben.“ So wurde im Hansa-Theater in Dortmund am 3. Mai eine schwungvolle Benefizveranstaltung veranstaltet, deren Erlös aus Eintritt und Spenden voll und ganz dem Hospital in Chak zugute kommt. Alle 250 Plätze waren schnell von den 50 geladenen Gästen aus dem engsten Freundeskreis sowie im freien Kartenverkauf belegt.

Besonders bemerkenswert und dankenswert: Alle Künstler sind ehrenamtlich aufgetreten, und auch die Besitzer des Hansa-Theaters waren sehr, sehr großherzig. Alle Räumlichkeiten und das komplette Team wurden völlig kostenlos bereit gestellt! Damit kam eine ansehnliche Summe für das Krankenhausprojekt zusammen.

Übrigens: Den 25. März – den echten Geburtstagstermin – konnte Karla Schefter im Kreis Ihres Teams im Hospital in Chak feiern. Nach ihren eigenen Aussagen war dies ihr allerschönstes Geburtstagsgeschenk.

13.02.2012

Viel Schnee und eisig kalt in Wardak
Der Winter hat „unsere“ Provinz unerbittlich im Griff


Aktuell hat der Winter jetzt auch rund um unser Hospital mit eisiger Hand zugepackt.
Konnten wir noch in unserem Frühjahrs-Informationsbrief von wenig Schnee berichten (download dazu siehe oben), so hat sich die Wetterlage nun entscheidend zugespitzt. Projektleiterin Karla Schefter – derzeit noch in Deutschland – hat von unserem Afghanischen Hospitalteam beim Rapportgespräch wie immer auch die aktuelle Wetterlage erfragt. Viel,
viel Schnee, selbst für Afghanische Verhältnisse, ist deren Antwort. Die Straßen sind unpassierbar, keine Räum- oder Streufahrzeuge im Einsatz. Das bedeutet, dass auch kein Nachschub für Heizmaterialien (Holz und Diesel) fließen kann. Beides können sich ohnehin nur wenige afghanische Familien leisten. Wer nicht genügend Vorrat „bunkern“ konnte, muss nun bitter frieren. Bereits jetzt sind, so der Bericht unseres Teams, viele Tote durch erfrieren zu beklagen.
Sowie die Straßen wieder passierbar sind, werden in unserem Chak-e-Wardak Hospital die durch Kälte bedingten Behandlungen sprunghaft ansteigen.


11. 01. 2012


DZI Siegel für ein weiteres Jahr erteilt
Verantwortungsvoller Umgang mit Spenden bestätigt


Mit Schreiben vom 02. Dezember 2011 wurde uns das DZI Spendensiegel für ein weiteres Jahr zuerkannt. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass unser Projekt bezüglich des Anteils von Werbe- und Verwaltungsausgaben erneut günstig bewertet wurde. Schon in den Vorjahren waren diese Aufwendungen, mit einem Anteil von wenig über 10 Prozent an den Gesamtkosten des Hospitalprojektes, in der DZI-Kategorie „angemessen“ eingestuft worden. 2011 erreichten wir – mit einem Anteil von 7,35 Prozent – die best mögliche Einstufung, die das DZI vergibt („niedrig“, 0-10%). Ermöglicht wird diese günstige Einstufung durch das hohe ehrenamtliche Engagement des Vorstands und gewissenhafte Planung bei der Mittelverwendung. 

07.08.2011

Aktuelles aus der Provinz Wardak (Stand.:07.08.2011)Die jüngsten – bewegenden – Ereignisse in der Provinz Wardak nehmen wir zum Anlass, um Sie, unsere Freunde und Gönner des Krankenhauses in Chak, aktuell wie folgt zu informieren.1. Hubschrauberabsturz in der Provinz WardakDer in den Nachrichten als „schlimmster Zwischenfall der letzten zehn Jahre“ bezeichnete Hubschrauberabsturz vom 06. August, bei dem 31 Elitesoldaten der USA sowie sieben begleitende, afghanische Personen ums Leben kamen, hat keinen Einfluss auf den Hospitalbetrieb in Chak. Wie wir kurzfristig von unseren Mitarbeitern erfahren konnten, hat sich diese Tragödie in rund „zwei Stunden Entfernung“ ereignet. (In den Provinzen werden seit Jahren Entfernungen nicht in theoretischen Kilometern, sondern in den dafür benötigten, realistischen Fahrzeiten angegeben.) Den Angehörigen und Familien der Getöteten in diesem unsinnigen, brutalen und endlosen Krieg gelten unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme. Im Hospital zeichnet sich bereits ab, dass die Patientenzahlen 2011 nochmals ansteigen werden.2. Kommunikation unter erschwerten BedingungenDie Telefonsendestationen in der gesamten Provinz Wardak wurden durch Taliban zerstört. Damit ist die Kommunikation über Mobilfunk (stationäre Telefone gibt es in Chak ohnehin keine) nicht mehr direkt möglich. Dennoch können wir noch über das E-Mail-System des Hospitals (das allerdings etwas exotisch und bedenklich in die Jahre gekommen ist) sowie über Mitarbeiter, die ihre Familien in Kabul besuchen, meist tagesaktuell kommunizieren. Mit einem Wiederaufbau der Sendestationen ist zu Zeiten der Talibanherrschaft nicht zu rechnen. Aktuell bedeutet diese Situation für uns, dass wir uns um neue Kommunikationswege (wie beispielsweise direktes Satellitentelefon) bemühen müssen. Ein abgeschnitten sein von der Kommunikation wäre für unser Hospital ebenso wie für Projektleitung und Komitee kontraproduktiv.3. Röntgengerät gibt aufNach fast zwei Jahrzehnten ununterbrochenen Einsatzes hat unser 1994 beschafftes Röntgengerät irreparabel die Funktion eingestellt. Um unseren medizinischen Aufgaben gerecht werden zu können bedeutet dies, dass schnell für Ersatz gesorgt werden muss. Das Röntgenteam ist bereits dabei, in Kabul ein geeignetes Gerät zu beschaffen und die Installation vor Ort in Chak, sowie die Einweisung in die Bedienung zu organisieren. Obschon das neue Gerät – verglichen mit einer Beschaffung in Deutschland – verhältnismäßig günstig ist, bedeutet es für uns dennoch einen tiefen Griff in die Rücklagen. Erfreulicherweise hat sich mit der Hilfsorganisation „Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte“ bereits ein Sponsor gefunden, der einen großen Teil der Beschaffungskosten übernimmt. 4. Ein Wort von Karla Schefter„Ich bewundere unsere Mitarbeiter vor Ort unendlich. Sie leisten unter schwierigsten Voraussetzungen Hervorragendes. Sie identifizieren sich voll und ganz mit dem Hospital-Projekt, setzen sich mit Ihrer ganzen Kraft dafür ein, bilden sich und andere weiter und halten uns die Treue.“ Der Vorstand wiederum bedankt sich bei Karla, die seit 22 Jahren unermüdlich in Afghanistan, Pakistan und Deutschland für ihr Projekt kämpft. Bitte halten Sie den von uns vor allem betreuten Frauen und Kindern in der afghanischen Provinz Wardak – unter den weiter erschwerten Bedingungen – durch Ihre Spenden und Patenschaften die Treue: WEIL ES UM DIE MENSCHEN GEHT.

09.02.2011

Hilfe für das Chak-e-Wardak Hospital-Projekt
Unterschriftensammlung, Start am 25. November 2011

Abschlägig be­schieden wurde der Antrag des Vorstands C.P.H.A. auf weitere Unterstützung un­seres Chak-e-Wardak Hospitals in Afghanistan. Beantragt worden waren 50.000 Euro für die Medikamen­tenbeschaffung aus Mitteln des Stabilitätsfonds des Auswärtigen Amtes (AA). Die Aufrechterhaltung des Betriebes unseres Hospitals wird durch diesen abschlägigen Bescheid erheblich er­schwert und einmal mehr droht damit die Provinz Wardak mit ihren mehr als 500.000 Einwohnern zum „Land der verlorenen Menschen“ zu werden.

Auf Initiative von Frau Christa Frommknecht (Frommknecht Stiftung) wurde eine Unterschriften­sammlung ins Leben gerufen und in Zusammenarbeit mit der Auslandsgesellschaft Nordrhein-West­falen in Dortmund in die Tat umgesetzt. Die Aktion wendet sich direkt an Entwicklungsminister Niebel mit der Bitte um weitere Unterstützung – welcher Fördertopf auch immer dazu geeignet sei. (Die innere Struktur der Ministerien sowie die Zuordnung ihrer Aufgaben – und damit die Wahl des „richtigen“ Fördertopfes – ist für Außenstehende nicht leicht zu erkennen.) Denn allein aus Spenden­aufkommen ist die medizi­nische Versorgung der kranken und verletzten Men­schen im Chak-e-Wardak Hospital auf Dauer äußerst schwie­rig zu finanzieren.

Unsere privaten Förderer und Spender aller Gruppierungen haben sich mit großem Engagement an dieser Aktion beteiligt. Dies nicht allein durch Leistung der Unterschrift, sondern auch durch enga­gierte, verschie­denste Aktivitäten sowie direkte Spenden. Auch Presse, Rundfunk und Fernsehen haben diese Unterschriftenaktion aktiv unterstützt und wohlwollend begleitet. Dafür an dieser Stelle erst einmal unser herzliches Danke an jeden Einzelnen.

Was ist bisher passiert?

Die durchschnittlichen jährlichen Betriebskosten für das Hospital lagen in den letzten Jahren bei rund 500.000 Euro. Sie wurden zu 90 Prozent aus privaten Spenden unterschiedlichster Gruppierungen finanziert.

Zum Abschluss des Jahres 2010 konnten wir, entgegen dem von uns erwarteten Trend, einen Anstieg des Spendenaufkommens gegenüber Vorjahr um 15.000 Euro verzeichnen. Allein im Dezember – dem in der Regel für uns spendenstärksten Monat – ergab sich eine Steigerung um mehr als 5.000 Euro und damit ein neuer Rekord seit Bestehen des Hospitals. Dazu haben die oben geschilderten Aktionen ganz sicherlich deut­lich beigetragen.

Unabhängig von fehlenden Zuschüssen durch das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zu­sammenarbeit und Entwicklung), AA oder Stabilitätsfond ist dieser Spendenanstieg für unser Projekt dabei von ganz erheblicher Bedeutung, denn:

  • 2010 sind die Patientenzahlen weiterhin explodiert. Nach 79.000 Patienten (2008) und 86.000 (2009) auf nun deutlich über 100.000!
  • Auf Grund der gestiegenen Lebenshaltungskosten und der hohen Gefahr der Abwanderung von Personal ins besser bezahlte Kabul wurden die Gehälter unseres treuen und qualifizierten Hospi­talpersonals angehoben.
  • Bedingt durch die Überschwemmungskatastrophe sind drastische Preiserhöhungen zu verzeich­nen, deren Spirale nicht abzusehen ist. Dies betrifft vorrangig die Grundnahrungsmittel, die Be­triebsstoffe wie Diesel und Holz aber auch Medikamente und medizinische Materialien.
  • Immer mehr humanitäre Organisationen ziehen sich aus den Provinzen zurück – auch aus „unse­rem“ Wardak. Dadurch entstehen weitere Versorgungslücken. Im Sinne der betroffenen Men­schen, dem medizinischem Personal und der Ärzte müssen wir immer wieder kritisch neu überprü­fen, ob wir diese Leistung in unser Hospital integrieren können. Aktuell übernehmen wir den Be­reich Physiotherapie, der mit einem qualifizierten Arzt besetzt ist. Alle Kosten dieses Bereiches, die zuvor von einer anderen Organisation getragen wurden, sind ohne irgendeinen Ersatz nun von uns zu leisten.

In Afghanistan geht trotz allem auch für die arme Landbevölkerung in den Provinzen das tägliche Leben weiter: Es wird von Tag zu Tag gehofft, geboren, geliebt und gehasst, geheiratet, geschieden und gestorben. Gemeinsam mit Karla Schefter geben auch wir die Hoffnung nicht auf. Wir werden eine Lösung zur Überwindung der erschwerten Finanzbeschaffung finden. Den Mut und die Kraft dafür schöpfen wir aus dem unerschütterlichen Schulterschluss mit unseren Spendern. Zusammen sind und bleiben wir stark:

Weil es um die Menschen geht.

12.11.2010

Privater Bericht Karla Schefter

21. September Ankunft in Peshawar mit 70 kg Freudengepäck.

Gut zehn Jahre lang machte ich alle Fahrten in Peshawar per Rikscha. Dann konnten wir einen alten Suzuki kaufen, den wir ebenfalls rund 10 Jahre nutzten. Am Ende wollten seine Knochen nicht mehr, wie es so „bei den Alten“ vorkommt. Von Deutschland aus verhandelte ich einige Male mit Abdul Latif über einen Neukauf, gab ihm meine Vorstellungen. Es sollte ein schlichtes Auto ohne viel Elektronik sein, ein Gefährt, das dem Transport dient. Er ließ sich durch Bekannte beraten und kaufte eins.

So werde ich von Abdul Latif mit dem neu gekauften Auto abgeholt. Ich muss erst einmal schlucken, kann nicht gleich begeistert sein. Es ist ein normales Auto, gewiss keine Luxuslimousine, trotzdem, ich fühlte mich unbehaglich. Nach dem alten Suzuki scheint mir der neue Toyata eine Nummer zu fein für uns, in der allumgebenden Armut und im Vergleich mit den heruntergekommenen Wagen in Afghanistan. Damit nicht falsche Vorstellungen entstehen, will ich aber betonen, dass es nichts Besonderes, sondern ein ganz normales Auto ist. Trotzdem, einfach ungewohnt. Ich muss an die ersten Jahre denken, in denen Vertreter von NGOs in den auffälligsten Limousinen in die armseligsten Flüchtlingscamps fuhren und in einem Palast von Haus wohnten. Angenehm ist die Airconditioning, diese hatte der Suzuki nicht. Rührend, dass Abdul Latif die Klarsichtschutzfolien auf den Sitzen gelassen hatte - vielleicht um mir zu zeigen, dass er das Auto noch nicht gefahren hatte. Ich bat ihn, das Plastikzeug abzuziehen, aber auf seinem Sitz  und in der hinteren Reihe ließ er sie drauf, er möchte nichts schmutzig machen.

Auf der Fahrt zu unserem Haus – unserer Kontaktadresse in Pakistan – suche ich nach Zeichen der Flutkatastrophe. In der Stadt selber merke ich nichts, aber überall noch mehr Menschen, Flutopfer, die bei Verwandten untergekommen sind oder die eine Unterkunft gemietet haben – wenn sie es sich leisten können. Im Haus Empfang durch Vertrautheit und Blumen. Mein bester Freund, ein Gecko, hat zu meinem Willkommen das Zimmer von Mosquitos freigeschleckt - des einen Leid, des anderen Freud. Es gibt genug, vielleicht sogar mehr als genug Wasser, also hat es genug Strom gegeben.

Am übernächsten Tag geben wir 60 kg Gepäck mit dem Ziel Kabul auf. Wieder das Unbehagen, den Weg mit dem Auto durch das Armutsgewühle zu finden, auffällig zu sein. Aber dann, welch ungewohnte Überraschung!  Der Afghane, der unser Gepäck nach Afghanistan leitet, nimmt kein Bakschisch. Habe ich etwas verkehrt gemacht?

Nach Aufgabe des Gepäcks fahren wir zu unserem Fischplatz am großen Fluss in Peshawar. Wir wollen sehen, wie dort alles aussieht, ob die Fischbratereien wieder aktiv sind. Wir finden Verwüstungen vor, aber dank inzwischen erfolgter Aufräumarbeiten ist das volle Ausmaß der Verwüstung nicht mehr erkennbar. Nach Rückkehr aus Kabul werden wir, Inschallah, dort wieder Fisch essen können. Der Fluss fließt ruhig dahin, als ob nie etwas gewesen ist, kein Wässerchen getrübt wurde. Eine Schar schwarzer Krähen hat sich dreist in den Vordergrund gedrängt, auch sie Zeugnis für Zerstörung.

Nach der Rückkehr überfallmäßig die Nachricht, dass das I.C.R.C. (Int. Rotes Kreuz) nicht zum vorgesehenen Termin nach Kabul fliegt, vielmehr müsse ich schon zwei Tage früher bereit sein. Wir benachrichtigen sofort Chak und Dr. Schwittek über den neuen Ankunftstermin. Mir kommt mein Erledigungstick zugute, die wichtigsten Arbeiten sind schon gemacht oder wenigstens auf den Weg gebracht.

Am Tag vor dem Abflug telefoniere ich noch mit Chak. Es stellt sich heraus, dass der Fahrer und der Mitarbeiter, die Vorhut von Chak, noch daheim sind. Hubschrauber und Soldaten waren in Chak eingefallen, um wieder nach Extremisten zu suchen. Straßen seien gesperrt. Später dann die Nachricht, dass Matiullah es geschafft hat, aus Chak herauszukommen. Wenn die Straße „blockiert“ ist, heißt das, dass geschossen wird. Keine Sammelautos fahren dann von Chak nach Kabul. Autos werden durchsucht oder gar angegriffen, deshalb fahren sie erst gar nicht. Es waren Helikopter gekommen und hatten, wie die Mitarbeiter erzählten, in einer Nacht zwei, in der nächsten Nacht drei „Extremisten“ erschossen und andere Personen mitgenommen.

Wie kann man denn die Extremisten erkennen? Auf die Frage wird mir gesagt, es sind Personen mit Waffen, Zivilisten gingen nachts nicht nach draußen. Es gäbe Leute, die Zusammenkünfte der Taliban über Handy an den Provinzgouverneur verrieten. Unter den Getöteten war ein wichtiger Terrorist. Ein weiterer Toter war der älteste Sohn von unserer Reinigungsfrau, leider auch Extremist. Die Reinigungsfrau erzählte unter Tränen, dass ihr Sohn schon vor zwei Monaten seine Waffen abgegeben hätte, er hätte nur mit seinen Freunden aus der Talibanzeit zusammen gesessen. Nach einer Woche nochmals fünf Getötete. Wieder eine Woche später wird ein Mann in seinem  Garten erschossen, kein Talib, er hatte nur, wie üblich, seine Äpfel bewacht. Die Gärten sind offen, deshalb schläft der Besitzer während der Reifezeit im Garten, um die Früchte vor Dieben zu schützen.

In Kabul

Sorgen mit schlaflosen Nächten bereitet mir, dass die Soldaten von der Straße aus in unseren Bereich eingebrochen waren. Es sind die Gästehäuser und die zwei Wohneinheiten des Ausbildungszentrums, im entfernt liegenden Bereich des Hospitals. Die fremden Soldaten wussten nicht, dass diese Häuser auch zum Hospital gehörten. Die Lage hat sich weiter verschlechtert, dadurch bedingt eine weitere Umsiedlung von Familien nach Kabul. Sie sind Flüchtlinge im eigenen Land!

Wie erneuernd wirkt nach solchen Nachrichten doch immer wieder eine Dusche und anschließend frische Kleidung. Das ist auch psychische Reinigung, Regeneration.

Was auch immer geschehen ist, nach wie vor gilt, dem Hospital wird nicht gezielt Schaden zugefügt, auch nicht den Mitarbeitern. Man kennt sie. Ansonsten sind in vielen Großfamilien Söhne, Onkel, Cousins bei den Extremisten. Dabei sind die wenigsten religiös motivierte Taliban, die Mehrheit sind schlicht Kriminelle. Die Gruppierungen sind sich unter sich nicht einig. Festzustellen ist: In den Städten gibt es Fortschritt, in den Provinzen nur Rückschritt.

Das Leben geht weiter, was auch immer geschieht.

Es ist fast wieder wie in den Jahren 1989-1992, in der der frühere Präsident Najibullah sich gegen die Mudschahidin wehrte: Die Städte sind heute zu Festungen ausgebaute Stützpunkte der Karsei-Regierung, während in vielen Provinzen die Taliban herrschen. In den Provinzen gibt es zwar noch Regierungszentren, aber häufig isoliert wie Inseln, aus der Luft durch Helikopter versorgt.

Ein Talibankommandant lässt mir ausrichten, ich könnte ruhig nach Chak kommen, er gäbe mir einen Geleitbrief. Wir haben lange diskutiert und am Ende entschieden, dass es zu riskant wäre. Die Straße nach Chak ist völlig unsicher. Im Hospitalcompound wäre ich zwar zunächst gut aufgehoben. Es würde sich aber schnell herum sprechen, dass ich da sei, Kriminelle könnten die Information per Handy leicht und schnell weiter geben und dann – auf dem Rückweg – würde mir aufgelauert. Ein solches Wagnis kann ich, auch im Interesse des Hospitalprojekts, nicht eingehen.

Unsere Impfverantwortliche Nabila, Tochter des Laboranten Taher, hat geheiratet. Von Vorteil ist es für uns, dass sie jetzt bei ihrem Ehemann in Chak bleibt und uns nicht verloren geht. Allerdings, wie die Erfahrung zeigt, wird sie nach neun Monaten, Inschallah, ihr erstes Kind bekommen. Das bedeutet, dass sie dann wegen des Mutterschutzes ausfällt. Ich rege an, eine junge Frau zu suchen, die für diese Stelle ausgebildet wird und als Ersatz bereitsteht.

Die Krankenschwester Tahera, 1996 von uns ausgebildet, jetzt Witwe, möchte gerne bei uns wohnen. Ihre Familie ist nach Kabul gezogen, mit Ausnahme ihres 18-jährigen Sohnes. Nach der 12. Klasse wird dieser zum Studium aber auch nach Kabul gehen. Deshalb möchte Tahera bei uns bleiben. Als Frau kann sie nicht alleine in ihrem alten Haus bleiben, sie kann aber auch nicht alleine in einem traditionellen Haus wohnen. Nach dem Ehrenkodex bleibt nur die Möglichkeit, im Hospital Compound zu leben. Ich bin froh und dankbar, dass sie es so möchte, damit wird sie uns erhalten bleiben.

Malalai, die Stationsschwester, hat ein zweites Kind bekommen. Berührend festzustellen, dass sie voller Hoffnungen ist. Weiter leben, weiter machen. Dieses Lebensgefühl zeigt sich in der Bewältigung des Alltags. Es werden nicht große Ziele gesteckt, die vielleicht nicht erreicht werden, sondern der Weg der kleinen Schritte, der Kleinigkeiten. Jeder Tag neu gelebt. Bei den Frauen: Sorgfältiges Schminken, Stöckelschuhe, deren Absätze vielleicht schon verschlissen sind. Die Männer: Frisch geputzte Schuhe und Socken, bei denen man beim Ausziehen der Schuhe entdeckt, dass sie mehr Naturferse als Socke sind.

In bewährter Weise gehen wir unsere Arbeit an. Von der Bank muss Geld geholt werden, um Materialien einkaufen zu können. Die beiden Administratoren durften bisher einen festgelegten Betrag einmal im Monat abheben, für die Gehaltszahlungen und laufenden Kosten, die über den Monat anfallen. Da wir (mit Vorstandsbeschluss) die Gehälter um 10 Prozent anheben, reicht der knapp bemessene Monatsbetrag nicht mehr aus, es muss deshalb eine neue Bankvollmacht ausgestellt werden. Erfreut (und überrascht) stellte ich fest, dass die beiden Büromitarbeiter den von mir vorgeschlagenen monatlichen Abhebungsbetrag von sich aus für zu hoch halten und wir uns gemeinsam auf die Mitte einigen.

Gul.Moh. rückt damit heraus, dass das Gebäude mit dem Essraum der Männer und der Wäscherei neue Fenster und Türen braucht. Das Haus war 1994 das erste (Klein-) Projekt, Türen und Fensterrahmen waren vom ansässigen Schreiner gefertigt. Die Witterung hat das Holz in den vergangenen Jahren morsch und undicht gemacht. Wir fanden in Kabul die benötigten Teile aus Kunststoff, aus der Türkei kommend. Der Handwerker, der den Einbau machen soll und den wir seit 1991 kennen, ist aber z.Z. auf dem Weg nach Mazar-e-Sharif, um seine Äpfel zu verkaufen, das sind eineinhalb Tagesreisen! Kabul wird im Augenblick von Äpfeln regelrecht überschwemmt, in Mazar-e-Sharif bekommt er einen besseren Preis – und das hat für ihn Priorität.

Nächster Punkt ist die Bitte, dem Frauen- und Kinderhospital sowie dem Personalhaus nach dem Winter einen neuen Anstrich zu geben. Auch das wird genehmigt, es soll preisgünstig gemacht und in Chak ein Kostenvoranschlag eingeholt werden. Es gibt dort genügend ortsansässige Maler, Rückkehrer aus Saudi-Arabien und Iran. In Kabul sind die Handwerker, wie alles Übrige, teurer. Die Stadt soll inzwischen neun Millionen Einwohner haben!

Ich bitte, vor dem jetzt anstehenden Winter die Öfen zu kontrollieren und Reparaturen rechtzeitig vorzunehmen. Das läuft darauf hinaus, dass acht neue in Auftrag gegeben werden müssen.

Für unsere neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen wir – von mir zu unterschreibende – Hausausweise ausstellen. Diese Papiere sind sehr wichtig, um sich bei Kontrollen als Angestellte des Hospitals auszuweisen. Es zeigte sich dabei, dass die ID-Cards der anderen Mitarbeiter bereits im nächsten Jahr ablaufen werden. Wir entschließen uns deshalb, für alle Mitarbeiter neue mit Ablaufdatum 2015 auszustellen.

Für den Freitag habe ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Kabul eingeladen. Zuletzt waren wir in dieser Form zur Jubiläumsfeier vor einem Jahr zusammen gewesen. Die Einkäufe der Hospitalmaterialien in Kabul sollen bis dahin erledigt sein, damit die Autos auf der Rückfahrt alles nach Chak mitnehmen und wir extra Transportkosten sparen. Es sind Dinge wie Toilettenpapier, Waschpulver, Gummiflitschen für das Hospital, Eimer, eine große Metallwanne für die Bäckerei zum Ansetzen des Teigs für das Fladenbrot und vieles mehr. Alles Sachen, die man in Chak nicht oder nicht in der Menge oder nur teurer bekommt, da die Händler sie auch in Kabul kaufen und natürlich einen (Gefahr bedingten) satten Aufschlag vornehmen.

Die erwähnte Einladung für die Mitarbeiter soll ein Betriebsausflug und eine Belohnung sein, darüber hinaus aber auch eine Gelegenheit, im persönlichen Gespräch ihre Anliegen zu besprechen. Ich möchte sie aus ihrem so schwierigen Alltag für kurze Zeit herausholen, zeigen, dass wir großes persönliches Interesse, von Mensch zu Mensch, an ihnen haben. Aus dem Freudengepäck können wir für jeden eine Wundertüte zusammenstellen. Wieder reisen 62 Mitarbeiter an, davon 14 Frauen. Nur das diensthabende Team blieb in Chak.

Mit offensichtlicher Freude strahlen wir uns bei der Begrüßung an. Wieder kann ich die farbenfrohe Kleidung der Frauen bewundern, aber auch die Männer in ihrer traditionellen Kleidung sehen schmuck aus. Impffrau Nabila kann ich zur Hochzeit gratulieren, Stationsschwester Malalai zum erst eine Woche zuvor geborenen zweiten Sohn. Ich nehme die weinende Sharifa in den Arm, sie hat ihren ältesten Sohn erst vor einer Woche beim letzten Helikopterangriff verloren. Ich erfahre, es waren insgesamt sechs Personen getötet worden. Die Extremisten benutzen auch Kinder, säen Hass. Der Junge hatte die Schule verlassen, um sich im vermeintlichen Heldentum, das im Tod endete, auszuleben.

Wieder werde ich mit Chak-Naturalien wie Äpfel, Eier und Honig reichlich bedacht. Es ist alles so, wie ich es so sehr liebe. Es tut gut, in ihre Gesichter zu sehen, ihre Zuneigung, die Verbundenheit zu spüren.

In den Besprechungen melden die Wachleute Bedarf an warmer Kleidung an. Es beginnt die kalte Jahreszeit. In den Nächten zu patroullieren ist sicher nicht einfach. Ich will nicht darauf eingehen, das müssen sie aus ihrem Gehalt bezahlen. Ich verspreche ihnen aber eine Wolldecke, in die sie sich einhüllen können. Schon vorher hatte ich mich gefragt, wie es ist, wenn aus Hubschraubern Bewaffnete abgeschossen werden. Sie sagen, wenn sie das Geräusch von Helikoptern hörten, würden sie ihre Waffen verbergen.

Ein Arzt, er hatte als orthopädischer Chirurg einen Kurs in Knochenchirurgie in Kabul gemacht, bittet um Gehaltserhöhung, er sei Spezialist. Ich kann ihm  nicht entgegenkommen, da alle unsere Leute Zusatzaufgaben ohne Extrageld erfüllen. Die Laboranten brauchen eine Zentrifuge. Die Pharmazeuten bitten um einen neuen Computer. Jede Pille wird ja gezählt, bei Eingang und Ausgabe, täglich werden die Daten in den Computer eingegeben. Die Anästhesisten bitten um zwei Monitore und ein Beatmungsgerät. Die Liste der zu beschaffenden Medikamente ist lang, die Summe erschreckend. Ich bitte die Ärztegruppe, alles noch mal zu überprüfen. Sie sollen nur wirklich notwendige Medikamente verschreiben. Ich mache ihnen klar, dass wir in diesem Jahr keinerlei Zuschüsse erhalten und die laufenden Kosten zu 100% aus Privatspenden bestreiten müssen. Es hilft, sie diskutieren, denken noch einmal nach und streichen. Der Betrag wird um ein Viertel reduziert.

Es wird mir berichtet, dass im Hospital zunächst ein Training für lmpf-Aufseher stattfand, anschließend für 30 Impfhelfer. Das ist die Vorbereitung für die nachfolgende Impfkampagne gegen Kinderlähmung. Gleichzeitig findet ebenfalls eine Wurmkurkampagne statt.

Erschreckend ist festzustellen, dass letztlich einige Provinzen im Gesundheits- und Bildungswesen aufgegeben wurden. Bis vor einem Jahr bekamen Kinder und Frauen von CARE International proteinhaltige Riegel. Da CARE nicht mehr in die Provinz reisen kann, ist das komplett gestrichen. Ähnlich verhält es sich mit der Unterstützung für das Gehalt des Physiotherapeuten für 2011. Er kam über die UN-Schiene C.D.A.P. und gilt für die gesamte Provinz Wardak. Ich habe zugesagt, dass wir den auch charakterlich sehr guten Physiotherapeuten übernehmen. Die Praxis-Ausstattung und die übrig gebliebenen Materialien werden uns überschrieben.

Ich finde es unverantwortlich, die Menschen so pauschal im Stich zu lassen. Stattdessen finden nur noch Militäraktionen statt, die zerstören. Gewalt ruft Gegengewalt hervor. Was das für uns bedeutet? Eine weitere Kostensteigerung. Ich kann nur wünschen und hoffen, dass unsere so sehr wichtigen Spender, dass das Komitee und alle Helfer an unserer Seite sich weiter für das Hospitalprojekt einsetzen. Für die Menschen bedeutet dies, ihnen Unterstützung, Stärkung, Hoffnung zu geben. Sie leben von Hoffnung, Tag für Tag. Man sieht das im Alltäglichen, in offen gezeigter stiller Würde und Stolz. Ich berichte unseren Leuten natürlich ausführlich von den vielen Aktivitäten, vom Komitee, den besonderen Veranstaltungen, den so besonderen Unterstützern. Mit gieriger Aufmerksamkeit saugen sie die Informationen ein, fühlten sich beachtet, einbezogen.

Die Abgeklärte - SabroErstfrau, kinderlos geblieben.Dem Manne die Möglichkeit der Zweitfrau eingeräumt.Von ihr erhält er fünf Kinder.Mutter, Oberhaupt aber ist und bleibt Sabro.Sie wird geliebt, verehrt von allen Familienangehörigen einschließlich Zweitfrau.Sie bietet die warme Zuflucht, den Trost, umarmt mit Verständnis.Das Große Herz spiegelt sich im ausgeglichen friedlichen Gesicht.Die abgeklärte Liebe zeichnete Weisheitsfalten ins edle, würdige Gesicht.Anerkennung findet sie in Ermöglichung der Hadsch, der Pilgerreise nach Mekka.Der Mann verzichtete für sie.Die ganze Familie beschließt zu sparen, zusammenzulegen.So reist sie mit einem Verwandten zur spirituellen Erfüllung ihres Lebens.Nach einem guten Essen und fröhlicher Unterhaltung, begleitet von afghanischer Musik, wird der Abschied vorbereitet. Die Einkäufe für das Hospital werden auf die Autos nach Chak umgeladen, nach dem Mittagsgebet ist Aufbruch. Es tut weh, die Menschen in die schwierige, gefährliche Gegend zu entlassen. Ich kann ihnen dabei nicht fröhlich in die Augen schauen. Umarmungen der Frauen, ein fester Händedruck der Männer, unsere Verbundenheit bekräftigend. Sie vergessen nicht, Dank und Grüße ans ferne Deutschland auszurichten. Leider wird unsere weitere Planung brutal unterbrochen. Ein Konvoi gepanzerter ISAF-Soldaten in einem mit Tarnnetz verhangenen Panzer treibt auf der Straße alles in Eile vor sich her und auseinander. Wir können nicht schnell genug ausweichen und werden gerammt. Gegen diese Kolosse hatte unser (neues) Auto keine Chance. Der Blechschaden ist erheblich, wir bleiben erst einmal liegen. Gott sei Dank kein Personenschaden. Einige Soldaten sichern den Unfallplatz mit vorgehaltenen Waffen ab. Es sind Franzosen, Soldaten, die in einem rüden Legionärston unsere Leute, auch mich niedermachen. Sie sind nervös, sie werden von blanker Angst getrieben. Mit Galgenhumor danken wir dafür, dass sie uns nicht angeschossen haben, aus lauter Angst vor Attentaten. Eine tiefe Kluft trennt das Militär von den Zivilen. Es ist alles andere als normal. Was für eine Zeit! Die Reparaturen dauern zwei Tage und behindern unsere Arbeit erheblich.Kabul ist eine einzige Große Festung, verstachelt, verriegelt, zubetoniert. Aber ein kleines Stückchen Natur macht mir Freude: Wir haben seit Jahren bei einer anderen kleinen Organisation ein Zimmer gemietet. Auf der kleinen Rasenfläche des Gartens ließen sich drei Tage lang Nomaden nieder. Mit Handsichel und mit den Händen rupfend arbeiteten sie als Natur-Rasenmäher. Sie schleppten das Gras, eingebündelt in eine Decke, zu ihren Tieren. In den nächsten Tagen werden sie gen Süden ziehen, da es in dieser Gegend nicht mehr genügend Grün gibt.Frei und doch nicht frei.Im Paradies und doch geerdet.In der Herbstsonne aufglühende Blätterpracht. Granatäpfel, Paradiesäpfel darin eingebettet.Ein Vogel orangerot farblich mit den Früchten abgestimmt!Im vermeintlich goldenen Käfig ist er draußen, aber doch drinnen, aufgehängt an einem Baum.Seine Triller verraten Sehnsucht, sich in Höhen schwingen. Ebenfalls ein Vogel “Ich” verkäfigt, aber nicht in Gold.Frei und doch nicht frei.Es ist ein Mut machendes Hineinleben in den Morgen in Begleitung der Sonne. Tagsüber noch angenehm warm, gegen Nachmittag vernebeln Herbstwinde die Stadt durch feinen Sand. Abends arbeitet sich die Kälte vor, lässt jeden in sich hinein kriechen.Ein Journalist und ein Fotoreporter interessieren sich für unser Hospital, treffen unsere Mitarbeiter. Doch wie bereits früher erlebt, verflüchtigt sich das nötige Interesse, wenn man das Projekt nicht besuchen und Aufnahmen machen kann. Diese beiden Reporter sind von unserem Hospital überzeugt, sie wollen sich dennoch für uns einsetzen, wenn auch der Schwerpunkt ihrer Berichterstattung die Schulen in Kabul bleiben. Geradezu sensationell, wie wir das Hospital am Laufen halten Ich kann dies nicht genug herausstellen: Es ist es geradezu sensationell, wie wir das Hospital, trotz schwierigster Bedingungen, am Laufen halten. Verständlich, dass man mich oft fragt, ob wir eine Erweiterung in Aussicht nehmen. Meine Antwort ist nein. Aber die Zahl der Patienten ist erheblich größer geworden.In Kabul denkt man nur für Kabul, innerhalb der Kabul-Community. Die Offiziellen, wie Botschaft, GTZ, etc. treffen sich in ihren Kreisen und verfolgen die vorgegebene politische Strategie, sehr theoretisch und dabei an der Praxis, an den Menschen vorbei. Ein Besuchstermin beim neuen Botschafter ist noch nicht zustande gekommen. Ich habe dafür Verständnis, er hat wichtigere Aufgaben. Schade aber für unser Projekt, ich hätte es ihm gerne vorgestellt. Von mir hätte er auch erfahren können, wie es wirklich in unserer Provinz aussieht, und wie sich die politischen Strategien auswirken. Auch ein Treffen mit dem NATO-Verantwortlichen für unsere Provinz ist noch nicht zustande gekommen. Für solche Größen bedeuten die Schäden, die sie uns beigebracht haben, eine Zeitverschwendung. Es geht ja nicht um Millionen. Tag der Deutschen EinheitEmpfang in der Botschaft. Ich war in diesem Jahr nicht dort, musste die Zeit für Chak nutzen, da drei Mitarbeiter am nächsten Tag wieder nach Chak abreisten. Der Festakt war sicher erhebend, zu Recht das Ereignis würdigend. Bei über 200 fremden Gästen ist allerdings, rein praktisch betrachtet, keine Zeit zum Kennenlernen, zu Gesprächen. Und viel Zeit geht mit den erheblichen Sicherheitsmaßnahmen verloren.Die große Flut in Pakistan Auf die große Flut in Pakistan habe ich sofort reagiert. Meine Mitarbeiter berichteten, dass auch in Chak durch heftigen Regen Felder und Häuser zerstört wurden, natürlich nicht in dem Ausmaß wie in Pakistan. Die Apfelernte fiel gut aus, diese Frucht ist widerstandsfähig, die wichtige Aprikosenernte dagegen wurde weitgehend vernichtet. Die Flut traf hauptsächlich unser Nachbardorf, gleich im Anschluss an den Hospital-Compound. Krankenschwester Parwin, die dort mit ihrer Familie wohnt, hat es besonders schwer getroffen, ihr Haus wurde fast ganz zerstörst. Auch die Häuser von Dr. Sefatiullah und Administrator Matiullah hatten Schäden. Über vier Wochen hatten sie alle nachts Angst gehabt. (Nach wie vor besteht auch große Angst vor nächtlich auftauchenden Helikoptern. Da aber kein Journalist in die Gegend kommt, wird darüber nicht berichtet.)Reis, Mehl, Speiseöl kommen zumeist aus Pakistan. Da die dortige Ernte erheblich gelitten hat, war auch bei uns mit einem starken Preisanstieg zu rechnen. Deshalb hatten wir unsere entsprechenden Halbjahreseinkäufe vorgezogen und diese nicht verderblichen Nahrungsmittel schon Mitte September in Ghazni gekauft. Jetzt wird Mehl und Reis aus Usbekistan und Turkmenistan eingeführt, über die Grenzbrücke, über die die Sowjettruppen 1989 aus Afghanistan abzogen.Den übrigen Bedarf an Tee, Salz, Zucker, Bohnen, Linsen etc., aber auch den Jahresbedarf Diesel haben wir Mitte Oktober beschafft. Unsere Leute waren damit schon um halb sechs Uhr morgens abgefahren, da ab 9 Uhr mit Kämpfen und vermehrten Kontrollen zu rechnen ist. Auf dieser Strecke gibt es tagtäglich mindestens einen Anschlag. Der Lastwagen mit unserer Verpflegungsfracht kam sicher in Chak an. Laut unseren Mitarbeitern würden nur Regierungsautos und NATO-Lastwagen angegriffen. Die Gefahr besteht darin, dass Zivilisten in so eine Attacke hinein geraten.Eine reife Balancenummer, geeignet für eine Gelände-Ralleys, wäre der Eiertransport. Unser Elektriker hat seine Familie in Kabul. Er besuchte mich am Wochenende, um mir frische Chak-Eier in einer Plastiktüte zu bringen. Man stelle sich vor, die Sammelautos von Chak nach Kabul brauchen drei Stunden, es gibt keine Begrenzung der Passagierzahl, sie sind dicht an dicht wie Heringe zusammen gepresst, liegen fast schräg übereinander, die Strecke ist nicht durchgängig asphaltiert, ein Rütteln und Schütteln, nur durch Menschenleiber abgefangen. Da wird der Eier-Transport zu einem gefährlichen Balanceakt. Ein Wunder, sie erreichten mich komplett und unversehrt, nicht ein Rührei war dabei. Es war ein Kunststück. Der Einsatz in Kabul war erfolgreich, wir haben erledigt was zu erledigen oder auf den Weg zu bringen war. Wir haben Wichtiges besprochen und uns ausgetauscht. Das Hospital ist für den Winter vorbereitet. Ich kann mit gutem Gewissen über Pakistan zurück reisen, um später nach Deutschland zu fliegen.Die Rückkehr nach Peshawar verursacht ganz besondere Kopfschmerzen.Von I.C.R.C. wurde mir gesagt, dass der von mir vorgeschlagene Termin 18. Oktober nicht möglich sei, auch der 16. gehe wahrscheinlich nicht, ich solle den Flug bereits am 14. nehmen. Ich richte mich also darauf ein. Ein paar Tage vorher bitte ich um Bestätigung: Ja, ich sei auf der Passagierliste. Ich solle einen Tag vorher aber nochmals anrufen. Am 14. packe ich, verstaue alles, auch meine Begleiter machen sich fertig für die Rückreise nach Chak. Ich rufe nochmals an: Ja, ich soll mich mittags um 1 Uhr am Sammelplatz von I.C.R.C. einfinden. Zwei Stunden später dann der Anruf, sie könnten nicht fliegen, das Flugzeug sei defekt, es ginge erst am 19.Oktober. Mein Visum läuft am 20. Oktober ab. Ich gerate total unter Druck. Zumal I.C.R.C. in Peshawar Abdul Latif die Auskunft gibt, dass es wahrscheinlich am 19. auch nicht klappen würde. Um auf Nummer sicher zu gehen, entschließe ich mich deshalb, den kostenpflichtigen Flug mit PIA von Kabul nach Peshawar zu nehmen,. Aber was ist schon sicher? Wir annullieren die I.C.R.C. Buchung noch nicht. Meine Begleiter tun mir Leid, sie hatten sich schon auf zu Hause gefreut. Kismet ! Immer wieder gilt: heute ist heute, morgen ist morgen. Und über jeden Berg gibt es einen Weg.Rückflug Kabul-Peshawar. Abdul Latif, unser Kontaktmann und Vertrauter in Peshawar, hat einen Bruder in Kabul. Dieser holt mich von zu Hause ab. Ein afghan. Helfernetzwerk ist überlebenswichtig. Jemand hat einen Freund, der wiederum einen Freund hat. Er geleitet mich durch einige Sicherheitschecks und übergibt mich dann einem Freund, der eine Berechtigungskarte für den Flughafen hat. Dieser bringt mich auf verworrenen Wegen, ein System war für mich nicht erkennbar, zu einem Bus innerhalb des Geländes, der kurz darauf zum Inlandsflughafen fährt. Dort in der Halle warteten wir zum Check-in. Die Tafeln zeigen Dubai und Delhi an. Wir warten und warten, bis mein Begleiter auf die Idee kommt, zu fragen, wann und wo denn wohl Check-in für Peshawar sei: Check-in nach Peshawar läuft unter Delhi. Nachdem diese Hürde genommen war, lange Wege zur eigentlichen Abflughalle mit neuen, nicht enden wollenden Checks. Schließlich ist auch das überstanden. Wir warten in der letzten Abflughalle, die keine Anzeigetafeln hat. Mit Verspätung ruft endlich ein Angestellter den Abflug nach Peshawar auf.So steige ich am 17. Oktober in die alte pakistanische Propellermaschiene gen Peshawar. Selbst in der Kabine nochmals Körpercheck. Dann gebe ich unserem Matiullah per Handy Bescheid, dass er nach Chak abfahren kann. Erleichtert schalte ich das Handy ab und lehne mich zurück. Tröstlich, dass vor dem Aufschwung gen Himmel erst einmal gebetet wird.Sichere Landung in Peshawar bei 30 Grad Celsius. Ich danke dafür befreit mit Kerzenlicht und Räucherstäbchen. (In Peshawar erfahre ich, dass der I.C.R.C - Flug. am 19. Oktober nicht stattfand.) Hoffentlich wird mein Flug Peshawar-Düsseldorf demnächst weniger problematisch. (Er war es.)In Vorfreude auf zu Hause grüßt herzlichKarla

 

1. September 2010

Jahrhundertflut auch in Afghanistan
Die ganze Welt schaut (nur) auf Pakistan


Monsunfluten, wie diese seit Jahrzehnten nicht mehr beobachtet wurden respektive aufgetreten sind, lassen Auswirkungen auch auf unser Hospital erwarten.

Projektleiterin Karla Schefter steht in fast täglichem E-Mail- und Telefonkontakt mit den Verantwortlichen vor Ort und wird jetzt am 20. September wieder persönlich über Pakistan nach Afghanistan aufbrechen. Nach ihren bisherigen Informationen gilt, dass es in der Nähe des Hospitals in Chak zwar schlimme aber noch im Rahmen des gewohnten liegende örtliche Auswirkungen des Hochwassers gibt.

Ungeachtet dessen erwartet die Projektleitung aber zusätzliche direkte Auswirkungen auf unser Hospital, weil sich die hygienischen Bedingungen im näheren und ferneren Umfeld durch die Flut dramatisch verschlechtern (Infektions-, Epidemie- und Seuchengefahr).

Da der Patientenzustrom schon jetzt aus immer weiter entfernten Regionen erfolgt und nahezu beängstigende Zahlen erreicht, kommt auf die treue Mannschaft vor Ort eine große Belastung zu. Nach wie vor – oder mehr denn je – ist unser Hospital die einzige funktionierende medizinische Hilfe in einem sich immer weiter ausdehnenden Umkreis.

Patientenzustrom und als Folge der Überflutungen in Pakistan schon jetzt massiv angestiegene Lebensmittelpreise (Erntevernichtung im Hauptlieferland Pakistan) bereiten uns große Sorgen. Daher unsere dringliche Bitte: Vergessen Sie bei Ihrer Spendenbereitschaft unser Hospitalprojekt nicht. Wir garantieren Ihnen, jeder Euro kommt dem Hospital zugute – eben weil es um die Menschen geht.

 

18. März 2010

Uneingeschränktes Testat für den C.P.H.A Jahresabschluss
Umstellung auf DATEV: In „rekordverdächtiger“ Zeit bestätigte Abschlüsse zum 31.12.2009

Als Kompliment für die hervorragende Arbeit des C.P.H.A Schatzmeisters sowie der von ihm betriebenen Umstellung der Finanzbuchhaltung auf das System DATEV kann die bereits zum 18. März 2010 erfolgte Bestätigung des Jahresabschlusses gesehen werden.

Dabei hat sich die hohe Datensicherheit und Transparenz des neuen Systems bewährt. Die Bestätigung des Abschlusses der Buchhaltung in Peshawar für das Geschäftsjahr 2009 erfolgte bereits zum 22.01.2010 durch die Prüfungsgesellschaft AAMER AMIN & Co.

Damit konnte auch der Abschluss in Deutschland umgehend eingeleitet werden. Zum 18. März 2010 wurde durch die gmp nord audit GmbH der Abschluss des Geschäftsjahres C.P.H.A ohne Einschränkungen testiert und kann damit bereits zur Mitgliederversammlung am 24. April 2010 in Dortmund vorgelegt werden.

 

19. März 2010
Karla Schefters Ostergruß
Die Welt als Osterei …


Die Welt als Osterei.
Bunt bemalt, vielfältig.
Mein österlicher Spaziergang führte mich schon nach Peshawar / Pakistan,
fliegt weiter nach Afghanistan.

Es gibt viele Ostereier zu suchen.
Sie leuchten aus der Kälte als versteckte Freuden.
Es gilt sie zu entdecken, zu genießen.
Manche werden schwer verdaulich sein.
Vor verdorbenen wird gewarnt.

Frohe Ostern mit vielfältigen Freuden wünscht,
und grüßt herzlich:

Karla

15. März 2010
Menschenrecht Nr. 1 ist das Recht auf Leben und Gesundheit!
Chak-e-Wardak Hospital: 2009 über 86.000 Patienten


Die hohen Patientenzahlen in unserem Hospital sind nahezu ein Spiegelbild der aktuellen humanitären und medizinischen Versorgungslage in der Provinz Wardak.

Mehr als 86.000 Patienten im Jahr 2009 stellen einen gleichermaßen traurigen wie erfreulichen Rekord. Traurig deshalb, denn:

  • Die hohe absolute Zahl bzw. die anhaltend steigende Tendenz der Behandlungen zeigen, dass sich die Gesamtlage für die Menschen eher verschlechtert.
  • Die Hilfebedürftigen strömen aus immer größeren Entfernungen unter für uns kaum vorstellbaren Bedingungen zum Hospital – zu Fuß, oft in Sammelautos, vielfach aber auch getragen oder manchmal in der Schubkarre gefahren.
  • Wiederum sind rund 75 Prozent der Patienten Frauen und (auch Klein-) Kinder.


Ein dennoch erfreulicher Rekord, denn:

  • Die geradezu gigantische Anzahl der ambulanten und stationären Patienten in unserem 60-Betten-Hospital zeigt beeindruckend die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft unseres einheimischen, vielfach jahrzehntelang treuen Krankenhausteams.
  • Der gute Ruf, resultierend aus dem Helfen ohne Ansehen der Person, des Standes, der Zugehörigkeit zu einer Gruppierung oder „Partei“ spricht sich immer weiter herum und schafft Vertrauen.
  • Dank Ihrer Hilfe, lieber Leser, schaffen wir es auch jetzt noch, weitgehend unabhängig – da vorwiegend aus privaten Spenden finanziert – diesen humanitären und medizinischen Lichtblick zu setzen.
  • Karla Schefters Lebensdevise „Weil es um die Menschen geht“ funktioniert beeindruckend und sichert den Patienten während ihres Aufenthalts ein wenig Frieden auf Zeit.


Frau Schefter befindet sich – nach einem engagierten Vortragsfeuerwerk in den Wintermonaten in Deutschland – sowie etlichen Auftritten in Funk und Fernsehen – seit Anfang März wieder in Afghanistan und berichtet uns von dort:

„Die allgemeine Situation ist weiter sehr angespannt, umso mehr sind Einsatz und Durchhaltevermögen der Mitarbeiter zu werten. Viele von ihnen sind sehr religiös (mehrere haben die Hadsch-Reise nach Mekka unternommen), sind dabei sehr offen und leben den eigentlichen Islam. Das gibt ihnen sehr viel Halt und ihre ethische Einstellung ist gut für das Hospital.

Die medizinische Versorgung im Hinterland ist weiter reduziert. Die dadurch im Hospital steigende Patientenzahl verstärkt demnach auch unseren Bedarf an Medikamenten und Materialien. Durch die neue Zusammensetzung des afghanischen Kabinetts ergeben sich sicherlich auch neue Regelungen. Beispielsweise wird der Gesundheitsminister abgelöst, wir werden einen neuen Ansprechpartner für unsere Anliegen erhalten, müssen also erst einmal abwarten.

Im Hospital selbst wurde der Winter wiederum für die Fort- und Weiterbildung genutzt. Zwei Krankenschwestern haben nach 18 Monaten den Abschluss als Hebamme absolviert. Neu einstellen konnten wir einen Anästhesisten, einen Internisten und einen Apotheker. Derzeit sind wir damit beschäftigt, unseren Jahresbedarf an nicht verderblichen Verpflegungsmitteln, wie Diesel, Holz und Medikamente wieder zu bevorraten. Soviel für heute.“

Das also zur aktuellen Situation aus Afghanistan. Uns vom Komitee in Deutschland obliegt es nun, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um unser Projekt und seine Leiterein, Karla Schefter bei der Bewältigung der aktuell angespannten Situation tatkräftig zu unterstützen. Aber an uns allen liegt es, heute die Weichen zu stellen für die Fortdauer funktionierender Projekte, die das 1. Menschenrecht, also das Recht auf Leben und Gesundheit, in den Vordergrund stellen; denn nur damit können wir wirklich die Verbundenheit zwischen den Menschen in Afghanistan und Deutschland stärken.
 

08. März 2010
Aufbruch zum Frühling
"Ich freue mich sehr darauf, meine Leute wieder zu sehen
"

Der Winter in Deutschland war lang, kalt und schneereich wie schon seit Jahren nicht mehr. Karla Schefter war in dieser Zeit unermüdlich zu Vortragsveranstaltungen, Radio- und Fernsehinterviews unterwegs.

Unsere langjährigen, aber auch neuen Spender und Spendergruppen persönlich mit Information aus erster Hand über die aktuelle Situation der Menschen in Afghanistan sowie über den Stand unserer Hilfe zu informieren: Dazu war Projektmitbegründerin und –leiterin Karla Schefter im zurückliegenden Winter kein Weg im deutschsprachigen Raum zu weit und kein Bahnhof zu zugig. So fand sie hier zu Hause wieder vielfältige Unterstützung ihrer Arbeit.

Anfang März brach Frau Schefter dann Kabul auf, um vor Ort gemeinsam mit dem Afghanischen Team die Vorbereitungen für Frühjahr und Sommer zu treffen. Mit einem strahlenden Lächeln verabschiedete sie sich von uns: „Ich freue mich sehr darauf, meine Leute wieder zu sehen!“ Nach den vielen Vorträgen und den immer wiederkehrenden bangen Fragen um politische Entwicklungen, Militäreinsätze und Zukunftsaussichten des Projekts taucht sie nun wieder ein in ihr eigentliches Element, in das aktive Geschehen. Jetzt tut sie das, was sie bereits seit 20 Jahren mit ihrem Afghanischen Team in vertrauensvoller Zusammenarbeit tut.

Unabhängig von allen Wirren, Problemen und Unwägbarkeiten und vollkommen neutral setzt sie ihre Arbeit im Rahmen des Möglichen fort: „Weil es um die Menschen geht.“

Wer sie heute dabei unterstützt trägt dazu bei, das Menschenrecht Nr. 1 – also das Recht auf Leben und Gesundheit – im Umfeld des Projektes verstärkt zu realisieren.

10. Januar 2010
Kleine Feier für ein Großes Projekt
20 Jahre Chak-e-Wardak Hospital


Die Verleihung des Deutschen Pflegepreises an Karla Schefter und 20 Jahre Chak-e-Wardak Hospital waren die besonderen Lichtblicke im Sommer 2009.

Dies alles war Anlass genug – stellvertretend für alle dem Projekt verbundenen Menschen – einige nahestehende Freunde, Helfer und Förderer unserer Projektleiterin Karla Schefter zu einer kleinen Feier nach Dortmund einzuladen. Ein dafür völlig neu bearbeiteter Kurzfilm über das Hospital, engagiert kommentiert von Frau Schefter, sowie Afghanische Live-Musik, Tee und Gebäck schufen den Hintergrund für viele persönliche Gespräche. Insgesamt ein beeindruckender Nachmittag in Gemeinschaft mit Menschen, die – jeder auf seine Weise – alle ihren Anteil zum Fortbestehen unseres Hospitalprojektes beitragen.

17. Dezember 2009
DZI Spendensiegel für ein weiteres Jahr erteilt
C.P.H.A. erfüllt wiederum alle Voraussetzungen


Nach Abschluss der Prüfung des Verlängerungsantrags wurde uns von „Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen“ mitgeteilt, dass unserer Organisation das Spendensiegel DZI erneut zuerkannt wurde.

Die Gültigkeit der mit obigem Datum erteilten Zuerkennung endet mit dem 30. September 2010 und muss für die Folgejahre jeweils erneut beantragt werden. Das DZI verbürgt – für alle Gremien unsers Projektes – den verantwortungsvollen Umgang mit Spendengeldern.

Hintergrund-Information: Die Kriterien für die Zuerkennung des Spenden-Siegels sind in Kooperation mit betroffenen Spitzenverbänden und Fachgremien auf wissenschaftlicher Basis entwickelt worden. Sie unterliegen fortlaufend einer systematischen Überarbeitung. Die Prüfkriterien sind in den "Leitlinien und Ausführungsbestimmungen für überregional Spenden sammelnde Organisationen" festgeschrieben und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • wahre, eindeutige und sachliche Werbung in Wort und Bild,
  • nachprüfbare, sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Mittel unter Beachtung der einschlägigen steuerrechtlichen Vorschriften,
  • eindeutige und nachvollziehbare Rechnungslegung,
  • Prüfung der Jahresrechnung und entsprechende Vorlage beim DZI,
  • interne Überwachung des Leitungsgremiums durch ein unabhängiges Aufsichtsorgan,
  • Prämien, Provisionen oder Erfolgsbeteiligungen für die Vermittlung von Spenden nur unter strengen Auflagen.

15. Juni 2009 „Unsere neue Website geht online“
Das Komitee dankt den folgenden Personen ganz herzlich für Ihre ehrenamtliche Unterstützung bei der Neugestaltung unserer Website für das Chak-e-Wardak-Hospitalprojekt:

Barbara Burg, Palladium Publishing, Köln für Webdesign und Fotoredaktion,
Delia Jahn, Dortmund für die Textredaktion, sowie
Markus Weber, Wecotec, Dortmund für Coding und Scripting

Wir hoffen, dass Ihnen unser neuer Webauftritt gefällt!

27.10.2008 Karla Schefter ist erneut nach Afghanistan aufgebrochen
Karla Schefter ist erneut nach Afghanistan aufgebrochen, um das Hospital-Projekt von Kabul aus für den Winter vorzubereiten. Sie wird dabei begleitet vom Schatzmeister, Herrn Rainer Stadelmann. Das Risiko einer Reise nach Chak ist derzeit zwar groß, die Wertschätzung des Hospitals ist jedoch bei allen Gruppierungen der Region so hoch und unbestritten, dass das Hospital von allen Seiten geschützt wird.
Die geänderte Sicherheitslage, insbesondere aber das erhöhte Risiko für Fahrten von Ausländern von Kabul nach Chak machen neue Formen für die Projektleitung vor Ort erforderlich. Dabei ist die von Frau Schefter in vielen Jahren aufgebaute und bewährte vertrauensvolle Teamarbeit mit dem afghanischen Mitarbeiterstab des Hospitals eine tragende Säule. Das Team ist darin geübt, den Betrieb des Hospitals auch bei Abwesenheit der Projektleiterin voll aufrecht zu halten, wie dies bisher im unwegsamen Chak-Winter regelmäßig der Fall war.
Der persönliche Kontakt mit den Mitarbeitern in Afghanistan selbst bleibt jedoch die andere tragende Säule des Projektes. Die persönlichen Berichte an Frau Schefter über Maßnahmen, Erfolge und Misserfolge im Hospitalbetrieb haben gleichermaßen die Funktion von erforderlicher Kontrolle und Fürsorgepflicht. Sie geben den Mitarbeitern Sicherheit in ihrem Tun über konstruktive Kritik und anerkennendes Lob.
In Kabul erfolgen die Treffen mit den Ärzten und Verwaltern des Hospitals im Hause der befreundeten Hilfsorganisation OFARIM. Hier hat das Afghanistan-Komitee zwei Räume angemietet und hier werden alle erforderlichen Maßnahmen der nächsten Monate eingehend besprochen und geregelt.

Oktober 2008 Neue Struktur bei der Finanzerfassung
Die zukünftigen Regelungen des DZI hinsichtlich Transparenz der Finanzverwaltung machen es beim derzeitigen C.P.H.A.-Finanzvolumen erforderlich, ein neues Finanzsystem zu etablieren, das jederzeit eine Übersicht über alle aktuellen Finanzdaten erlaubt. Daher richtete der Vorstand 2008 ein neues Abrechnungssystem ein, das auf der Online-Erfassung aller Finanzdaten in dem einheitlichen DATEV-Bilanzierungssystem basiert.
Dieses neue System erlaubt eine rasche und kostengünstige sowie gesicherte Erfassung aller Finanzvorgänge sowohl aus Chak als auch aus Deutschland in einem einheitlichen Buchungssystem. Auf diesen zentralen Datensatz greifen auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und das Finanzamt zu.

18.10.2008 Uneingeschränktes Testat für den C.P.H.A.-Jahresabschluss zum 31.12.2007
Der Bericht über die Prüfung des C.P.H.A.-Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2007 wurde von der CURACON GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Düsseldorf, am 14. Oktober 2008 mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen. Der testierte Prüfungsbericht wurde uns zugesandt.

21.08.2008 C.P.H.A.-Freistellung von der Körperschafts- und Umsatzsteuer
Dem Afghanistan-Komitee C.P.H.A. wurde am 21.08.2008 die Freistellung von der Körperschafts- und Umsatzsteuer in den Jahren 2005 und 2006 erteilt. Diese Freistellung gilt im Voraus für 5 Jahre, also bis August 2011. Damit bleiben alle Spenden und Zuwendungen in diesem Zeitraum abzugsfähig. Ab einer Spende in Höhe von 100 € stellt das Afghanistan-Komitee Spendenquittungen aus.